Samstag, 1. November 2008

Neues aus Kyôto

Hallihallo,

hier melde ich mich mal wieder aus der Ferne. Der Alltag hat mich eingeholt und es ist schwerer geworden den Blog regelmäßig zu aktualisieren... aber ich versuche es! :)

Nach wie vor komme ich gut mit den anderen Austauschstudenten zurecht und wir unternehmen ab und zu was zusammen. Letzte Woche gab es ein vom Internationalen Zentrum der Uni organisiertes Barbeque im Expo-Park von Ôsaka...



...und die Woche davor einen Gruppenausflug mit dem "Japan's Performing Arts"-Kurs!


Natürlich unternehmen wir auch außerhalb der Uni etwas zusammen - meistens gehen wir entweder zum Karaoke oder irgendwo essen und v.a. trinken... Da soll es am nächsten Morgen schon so manche Versprechen gegeben haben, sowas nie wieder zu tun - und am nächsten Wochenende dann das gleiche Spiel. Ich selbst mag immer noch weder Bier noch Wein (mit Ausnahme des sehr süßen japanischen Pflaumenweins), halte mich also an Cocktails und Ähnliches, und hatte trotz so einiger Drinks noch keinen Absturz und kann mich bisher immer an alles erinnern. Aber so wie ich das sehe, ist es auch nicht gerade die Erfahrung wert, sich so hemmungslos zu besaufen, dass der ganze nächste Tag im Eimer ist....


Aber auch außerhalb des Kreises der Austauschstudenten versuche ich Kontakte zu knüpfen. Ich bin ja jetzt schon seit ein paar Wochen im "A-Cappella-Circle" der Osaka Gakuin Uni und probe dort 2x die Woche zusammen mit jeder Menge lustiger und netter japanischer Studenten; ein paar Querköpfe sind darunter, was ich sehr erfrischend finde! Da fühle ich mich wohl.
Dieser Club wird von den Studenten selbst organisiert, was mich sehr beeindruckt hat - dafür sind wir da aber auch nicht so effektiv, wie mir scheint: Erst gibt es eine Einsingübung, die niemals vom Standardschema abweicht (jede Menge "ssssss" für's Zwerchfell, aber bis zu 17 Sekunden lang angehalten, und "yamayamaya" die Tonleiter rauf und runter) und dann werden in kleineren Grüppchen die jeweils zu lernenden Lieder geübt. Allerdings beschränkt sich die Anzahl der geübten Lieder pro Probe meinem Eindruck nach lediglich auf 1-2 Stücke.
Ich habe diese Woche mit vier anderen Leuten (2 Mädels, 2 Jungs) eine Singgruppe gebildet und jetzt geht es auf Liedersuche. Bin mal gespannt, was wir so produzieren... Bis Weihnachten wollen wir zwei Lieder drauf haben.
Neulich waren wir chinesisch essen mit Super-Aussicht auf Ôsakas Periperie und natürlich inklusive Gruppenfoto... :)


Diese Woche durfte ich nicht als Einzige mit Erstaunen feststellen, dass zwei andere Austauschstudenten, von denen es niemand erwartet hätte, ein Paar geworden sind. Ich freue mich für die beiden, denn auch ich habe inzwischen jemanden hier gefunden. Er heißt Kazuki, sein Studienfach ist "International Studies" und er war letztes Jahr als Austauschstudent an einer Uni in Schweden. Recht lebhaft und eigentlich immer fröhlich - zumindest nach außen - rennt er auch ganz gern mal in der Gegend herum und spielt mit Freunden Fussball und ähnliches. Er verbringt viel Zeit mit den Austauschstudenten und so haben wir uns bereits am ersten Tag der Einführung an der Uni kennen gelernt (vor sechs Wochen) und wir sahen uns seither jeden Tag an der Uni. Er ist sehr lieb und aufopfernd, hat - was ich sehr süß finde - Träume und Vorstellungen, spinnt mit mir über Reisepläne inner- und außerhalb Japans und hat keine Scheu mir seine Gefühle mitzuteilen.
Dass sämtliche japanische Studenten hier jünger sind als ich (was widerum mir das Gefühl gibt, dass ich schon längst im Berufsleben stehen müsste, aber meinen Hintern nicht hochkriege...), trifft leider auch auf Kazuki zu; er ist 20. Japaner haben mit 18 ihre Hochschulreife, studieren dann idealerweise vier Jahre lang und sind mit 22 fertig. Auch unter den Austauschstudenten gehöre ich eher zum alten Eisen. Andererseits - was sind schon zwei, drei Jahre...
Hier ein Foto von uns beiden:

Dieses Foto entstand vergangenes Wochenende auf dem Kishibe-Sai, ein lokales Festival, das jährlich v.a. an der Uni hier stattfindet, mit Darbietungen und jede Menge Ess- und Getränkeständen. Die Eröffnungszeremonie war spektakulär, besonders durch eine Vorführung des Cheerleaderteams. Ich hatte so etwas noch nie live gesehen und war begeistert, auch wenn das als ein weiteres Zeichen für die Amerikanisierung Japans gesehen werden kann...


Auf dem Festival hatte auch die "I-Chat-Lounge", Studententreffpunkt und "English speaking zone" der Uni, einen Stand namens "I-Chat-Cafe" aufgebaut, an dem ich beim Getränke- und Keksverkauf mitwirkte.



Heute Abend gibt es eine Barbeque-Party bei einem Austauschstudenten aus Kalifornien und vorher gehe ich vielleicht noch mit Kazuki zusammen ein bisschen shoppen, was wir schon lange vorhatten, aber aus Zeitmangel nie geschafft haben...

Einen lieben Gruß in die Heimat! Ich freu mich immer von euch zu hören... ;)

Liebe Grüße aus Kyôto
Johanna



P.S. (@Larissa und alle, die es interessiert):
Nein, das stimmt nicht. Japaner essen Sushi - nur vielleicht nicht in dem Ausmaß, wie wir in Europa glauben. ;D Denn außerhalb Japans ist Sushi, wie ich glaube, der Inbegriff japanischen Essens, aber in Wirklichkeit gibt es selbstverständlich noch andere leckere japanische Gerichte. Beliebt sind "Onigiri", das sind Reisbällchen gefüllt mit allem möglichen Zeugs (Fisch, Hühnchen, Bohnen oder...) und verschiedene Arten von Nudeln wie "Udon" und "Soba", meistens in Brühe getränkt *schlabber* und mit verschiedenen wählbaren Zutaten serviert. Von den ganzen Fleischgerichten fange ich gar nicht erst an, denn die meide ich nach wie vor. Aber es gibt durchaus Sushi-Bars und Sushi wird hier sehr wohl gegessen.
Was widerum ziemlich unbekannt in Japan ist, ist Karate! Ist schon komisch, wenn man als Weißer nem Japaner eine japanische Sportart erklären muss. Karate hat hier wohl im Laufe der Zeit so sehr an Popularität verloren, dass es in Vergessenheit geriet. In Japan beliebte Kampfsportarten sind Kendô (viel Krach durch Kampfgeschrei und die aufeinander eindreschenden Bambusschwerter) und, ganz wichtig, Jûdô.