Donnerstag, 7. Januar 2010

Wie 2009 endete und 2010 begann...

Frohes neues Jahr!

Ich bin nun also zurück in Trier nach zwei ziemlich entspannenden Wochen in Berlin. Schön war es, mal so ganz ohne Tagesplanung!

Die Weihnachtsfeier verbrachte ich mit meiner Mutter und all meinen drei Brüdern: wir waren in zwei Gottesdiensten - bei der Gelegenheit hatte ich die Chance die Spirit Singers wieder zu sehen und zu hören, welche Wohltat! - haben einen Baum gekauft und geschmückt, lecker gegessen und singend beschert. Am zweiten Weihnachtstag sind wir dann auswärts essen gegangen, so chinesisch/vietnamesisch/thailändisch. Alles in Allem sehr gelungen!

Zu Silvester entschlossen wir uns das Neujahrsfeuerwerk vom Platz vor dem Reichstag aus zu bewundern und es war wirklich die Fahrt wert!

Außerhalb der Feiertage habe ich recht viel geschlafen (war wohl mal nötig...), habe mich in der Friedrichstraße herumgetrieben, war mal wieder in "meiner" Zentral- und Landesbibliothek, habe mir eine schöne Winterjacke gekauft und ein Minimum an Sport getrieben, um zumindest das Gewissen zu beruhigen... Dass es so minimal ausfiel, hatte allerdings auch damit zu tun, dass bald so viel Schnee fiel, dass ich meine Jogging-Pläne verwerfen musste. Solche Schneemassen gab es schon lange nicht mehr in Berlin!

Am 3. Januar stand dann noch der Geburtstag meiner lieben Mutter an, zu dem meine Großeltern und auch die Berliner "Backhäuser" kamen. Das hat mich sehr gefreut; leider musste ich mich an dem Tag auch schon wieder aufmachen und in den Zug steigen, da am nächsten Tag wieder Univeranstaltungen stattfanden.

Das Wintersemester geht nun in die zweite Hälfte und ich bin nach wie vor gut beschäftigt. In zwei Wochen steht ein Hauptseminar-Referat an, welches ich nachher auch noch als Hausarbeit ausarbeiten werde und dafür heißt es jetzt japanische Quellen Lesen... Auch für zwei Übungen muss ich jede Woche japanische Texte intensiv lesen (und verstehen!^^) und der Kurs "Klassisches Japanisch" stellt noch mal neue sprachliche Herausforderungen. Man denkt, man hat einen Satz richtig interpretiert, und dann erfährt man in der Stunde, dass es aufgrund irgendwelcher "Ausnahmen" doch anders lauten muss. Ich bin gespannt auf die Klausur.

Ansonsten muss ich sehen, dass ich den über die Feiertage entwickelten kleinen Rettungsring wieder loswerde (da bin ich wohl nicht die Einzige!), und in der Tat kam es mir gestern im Fitnessstudio wesentlich voller vor als sonst.

Ansatzweise mache ich mir momentan außerdem Gedanken über ein mögliches Praktikum mit Japanologie-Bezug. Meine Traumstelle wäre wohl in einem Konsulat und ich werde mich da bei Gelegenheit etwas ausführlicher über Möglichkeiten informieren, aber große Hoffnungen kann ich mir wohl nicht auf solche sehr begehrten Praktikumsplätze machen, falls überhaupt vorhanden.

Ich wünsche euch allen ein gesundes, erfolgreiches und v.a. GLÜCKLICHES Jahr 2010!!

Eure Johanna

Dienstag, 10. November 2009

...und die Liebe?

Hallo ihr treuen Weltblume-Leser/-innen!

Ich wurde in letzter Zeit eine Sache auffallend oft gefragt: Was ist eigentlich aus meinem japanischen Freund geworden?? Und da diesen Blog sowieso nur Freunde und Verwandte von mir lesen, denen ich die Geschichte auch persönlich erzählen würde... dachte ich, spricht nichts dagegen, hier etwas darüber zu schreiben. (Falls sonst noch jemand mitliest, der nicht in oben genannte Kategorien fällt, ist das auch kein Skandal. So persönlich wird es dann doch nicht!^^)

Nun, die Mehrheit wird es sich schon gedacht haben: Kazuki und ich sind nicht mehr zusammen. Wir trennten uns genau einen Monat vor meinem Rückflug nach Deutschland, also als ich noch an der Uni dort war und physische Distanz noch nicht das direkte Problem war.

Es lief jedoch schon dort alles nicht immer so rosig, wie ich es mir gewünscht hätte. Das Problem hatte viel zu tun mit meinen und seinen Launen und Stimmungen; damit, wie ich mit manchen "öffentlichen" Situationen nicht so ganz klar kam (sprich, wenn wir mit Freunden ausgingen und ich mich ausgegrenzt fühlte) und er wiederum nicht wusste, wie er damit umgehen sollte und mit Trotz reagierte. Wahrscheinlich war es teilweise ein interkulturelles Problem, dass ich mich oft ignoriert fühlte und mir vorkam, als würde ich ihm zur Last fallen. Dieses Gefühl möchte, glaube ich, niemand gerne haben in einer Partnerschaft. Versuche mit ihm über dies zu reden unternahm ich durchaus, teilweise mit Erfolg, teilweise aber auch darin resultierend, dass er ein verärgertes Gesicht machte und nur etwas sagte wie "Also, du bist mir hier gerade zu schlecht drauf, ich geh dann mal lieber nach Hause." - was nicht gerade zur Besserung meiner Stimmung beitrug.

Aber das soll jetzt alles nicht so klingen, als gäbe ich ihm die Schuld am Scheitern der Beziehung. Ich habe genauso meinen Beitrag geleistet und relativ frühzeitig die Hoffnung aufgegeben, dass wir unsere Probleme in den Griff bekommen und außerdem eine letztendlich mindestens 2-jährige Fernbeziehung überstehen können (was mir auch da schon unrealistisch schien). Irgendwie gab ich ihm das auch zu spüren. Ich wollte ihm signalisieren, dass sich etwas gravierend ändern muss, damit wir es schaffen... aber es war wohl zu viel für ihn und er machte dann am Abend des 24.6. in einer Bar, in der wir uns verabredet hatten, bzw draußen auf der Straße, nach einem schwierigen und melancholischen Gespräch abrupt Schluss, meines Wissens ohne es geplant zu haben. Zu dem Zeitpunkt hatte ich bereits selbst vorgehabt die Beziehung zu beenden, zumindest noch bevor ich nach Deutschland zurück fliege, aber ich hätte es wohl nicht oder zumindest nicht so schnell über's Herz gebracht.

Das Datum der Trennung habe ich so gut in Erinnerung, weil ich nach besagtem Abend, einem späteren tränenreichen Gespräch mit meiner Gastmutter und einer verheulten Nacht morgens, als ich mit dem Fahrrad zur Uni gefahren war, am Rechner meine E-Mails abrief und mir die neueste Boulevard-Pressenachricht auf der web.de-Startseite sofort ins Auge stach: Michael Jackson ist tot. Ich war, zugegebenermaßen, so schockiert und fassungslos, dass ich mich auf den wenige Minuten später startenden Japanischunterricht nur schwer konzentrieren konnte. Und, wie überall nachzulesen, starb Michael am 25.6.; die Trennung von Kazuki einen Tag zuvor ist für mich auf seltsame Weise damit verbunden.

Aber es gab auch einen Lichtblick später an jenem Tag: Einer von den Jungs vom A-Cappella-Kreis rief mich an und fragte, ob ich nicht mit ihnen vor der Kamera singen will. Ein regionales Komödiantenduo war an dem Tag auf unserem Campus unterwegs und drehte ein paar Einblicke in das Leben an der Osaka Gakuin Universität. Es war wohl nicht direkt geplant gewesen, mich dabei zu haben, aber so war das wirklich meine Rettung an dem Tag und brachte das Strahlen zurück auf mein Gesicht - mit dem A-Cappella-Kreis konnte ich immer viel Spaß haben. Es war letztendlich relativ anstrengend: die beiden Komiker interviewten uns erst und probten dann ein bisschen mit uns (teilweise vor der Kamera) um dann ein fertiges Lied mit uns zu präsentieren; sie waren durchaus nicht unmusikalisch... Aber in dem Interview-Teil stürzten sie sich natürlich gleich als erstes auf mich als einzige Ausländerin und weiße Langnase im Kreis und löcherten mich mit Fragen. Den Flirtversuchen wich ich natürlich aus, musste aber ein Sekündchen nachdenken bei der Frage, ob ich einen Freund habe... Ich kam zu dem Entschluss, es wäre am sichersten, wenn ich sage, dass ich an einen Deutschen vergeben bin und das beendete dann auch tatsächlich das Thema. Natürlich war alles nur Spaß und Show, aber für mich in dem Moment etwas unangenehm.

Mit Kazuki habe ich mich kurz vor meiner Abreise noch einmal zu einem ruhigen Gespräch getroffen und dann lange nichts von ihm gehört. Jetzt entsteht nach Monaten der Funkstille langsam wieder sowas wie ein zögerlicher sporadischer Mailkontakt und wir planen sogar demnächst mal zu telefonieren. Es wäre ja auch schade, wenn der Mensch, mit dem ich in Japan so viel erlebt und so viel Zeit verbracht habe, nun völlig aus meinem Leben verschwunden wäre. Ich zumindest hoffe, dass wir Freunde bleiben können - was wahrscheinlich aus der Distanz auch irgendwie einfacher ist als wenn man in der selben Stadt wohnt.

Ich freue mich nach wie vor über Kommentare (oder liest doch gar niemand mehr mit...?) und werde diesen Blog auch weiterführen, wenn auch nicht mehr so intensiv. Die nächste Japanreise steht immerhin schon in Aussicht: Am 15. März geht es los über Istanbul (mit Zeit für eine Stadtbesichtigung *g*) nach Tokyo und in einen dreiwöchigen Aufenthalt. Ich werde meine guten Trierer Freunde Christian, Katha und Juliane besuchen, die momentan in Tokyo studieren, einen Abstecher nach Osaka machen, auch da ein paar Besuche machen und in guten Erinnerungen schwelgen... Ja, ich freue mich schon sehr darauf, wieder japanische Luft zu schnuppern!

Liebe Grüße aus Trier nach wo auch immer ihr seid...
Eure Johanna

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Zurück in Deutschland... Ein Bericht über die letzten zwei Monate

Liebe Freunde,

lange Zeit ist vergangen seit meiner Rückkehr nach Deutschland und Trier. Aber ich konnte die vorlesungsfreie Zeit genießen ohne Hausarbeitenstress u.ä. und so freue ich mich jetzt fast wieder auf das neue Wintersemester, das ich mit demselben Eifer angehen will, der mir jedes halbe Jahr wieder sagt: Dieses Semester wirst du richtig fleißig sein und immer alles schön vor- und nacharbeiten! Mal sehen, ob es dieses Mal klappt...

Die letzten Wochen verbrachte ich mit verschiedenen Dingen: Die größte Neuerung in meinem Alltag und auch meine gefühlte Hauptbeschäftigung ist seit über zwei Monaten der Besuch eines Fitnessstudios hier in Trier. Jeden zweiten Tag stemme ich dort Gewichte und strample mich auf dem Crosstrainer ab. Ich habe auch bisher nicht wirklich Probleme dabei zu bleiben, immerhin war ich in Japan ähnlich aktiv, nur dass ich da noch nicht wusste, wie man das Training mit den Gewichten wirklich richtig macht. Das klingt jetzt, als wäre ich die durchtrainierte Sportskanone schlechthin geworden. Ganz so schnell geht das aber leider nicht. Ich schaffe es immerhin, mein Gewicht zu halten und dabei relativ normal, also ohne Diät und Hungern, zu essen - viel Gemüse, Vollkornprodukte, Tofu, Kerne... und keine Süßigkeiten (außer jemand gibt mir welche *g*).

Dann wären da die allwöchentlichen Gospelchorproben, bei denen ich wieder dabei bin. Einen Chorsamstag gab es schon und diesen Samstag erfolgt mein erster Auftritt im Chor dieses Jahr, nämlich auf einer Hochzeit. Ich muss ein paar Stücke neu oder auch umlernen, da die Altstimme etwas neu geteilt wurde. Es macht aber nach wie vor viel Spaß!

Dann gibt es noch die English Drama Group, in der wir dieses Wintersemester ein altes Projekt wiederaufnehmen, deshalb habe ich in dem Bereich nicht viel zu tun, denn den Text kann ich noch einigermaßen. Allerdings ist mir ungefähr die Hälfte der Gruppe noch neu und es spielen ab sofort auch zwei Dozenten aus der Anglistik mit, was die Sache recht interessant macht und dem alten Projekt einen etwas neuen Anstrich verleiht. Man kann gespannt sein.

Falls sich jemand fragt, wie ich den Übergang von der japanischen in die deutsche Kultur vertragen habe: Es ist zwar schon wieder etwas her, aber ich erinnere mich, dass mir bei der Ankunft in Deutschland bis auf die Sprache, die mir seltsam fremd und gleichzeitig vertraut vorkam, die Gesichter stark aufgefallen sind: "Der guckt aber ärgerlich", dachte ich mir bei dem einen oder anderen Anblick, "das ist ja zum Weglaufen!". Und tatsächlich hat mir eine Chorfreundin bestätigt, dass ich bei den ersten Proben viel mehr gelächelt hätte, inzwischen aber wieder meinen "normalen", deutschen Gesichtsausdruck drauf hätte. Nun gut. Außerdem fiel mir in der ersten Zeit auf, dass man hier nicht soviel Aufmerksamkeit bekommt wie in Japan, z.B. beim Einkaufen im Supermarkt an der Kasse. Aber das war wirklich nichts was ich als "Schock" bezeichnen würde, sondern lediglich Auffälligkeiten. Ich war ja froh wieder hier zu sein. Mittlerweile packt mich schon wieder ein bisschen das Fernweh nach Osaka, den Leuten dort und nach Japan allgemein. Aber ich habe schon meinen nächsten Besuch geplant: Mitte März werde ich dank niedriger Flugticketpreise für drei Wochen nach Japan fliegen und Freunde in Tokio und Osaka besuchen. Ich freue mich schon tierisch! :)

Um meinen angefangenen Bericht über Aktivitäten in den letzten Wochen zu vervollständigen, sei noch gesagt, dass ich VERSUCHE (hier bitte die Betonung setzen :D) mich in Literatur einzulesen, die nächstes Semester behandelt werden wird. Bisher habe ich Alice's Adventures In Wonderland und The Wizard Of Oz geschafft für einen Kurs über nordamerikanische Populärliteratur - keine besonders schwere Lektüre, daher selbst für jemanden wie mich schnell gelesen - und momentan bin ich an Yukio Mishimas modernen Nô-Stücken dran. Ich könnte bis zum Beginn der Vorlesungszeit noch so Einiges lesen und hoffe, dass ich meine freie Zeit bis dahin noch gut nutzen kann. Immerhin habe ich momentan kein Internet zu Hause, was die sinnfreien Ablenkungsmöglichkeiten schon einmal beträchtlich einschränkt.

In diesem Sinne: Gehabt euch wohl, lasst es euch gut gehen und v.a. bleibt gesund! Ich habe das Gefühl, es geht eine Erkältungswelle um... Aber bei diesem Regenwetter ist das wohl auch kein Wunder.

Seid herzlich gegrüßt
Eure Johanna