Dienstag, 10. November 2009

...und die Liebe?

Hallo ihr treuen Weltblume-Leser/-innen!

Ich wurde in letzter Zeit eine Sache auffallend oft gefragt: Was ist eigentlich aus meinem japanischen Freund geworden?? Und da diesen Blog sowieso nur Freunde und Verwandte von mir lesen, denen ich die Geschichte auch persönlich erzählen würde... dachte ich, spricht nichts dagegen, hier etwas darüber zu schreiben. (Falls sonst noch jemand mitliest, der nicht in oben genannte Kategorien fällt, ist das auch kein Skandal. So persönlich wird es dann doch nicht!^^)

Nun, die Mehrheit wird es sich schon gedacht haben: Kazuki und ich sind nicht mehr zusammen. Wir trennten uns genau einen Monat vor meinem Rückflug nach Deutschland, also als ich noch an der Uni dort war und physische Distanz noch nicht das direkte Problem war.

Es lief jedoch schon dort alles nicht immer so rosig, wie ich es mir gewünscht hätte. Das Problem hatte viel zu tun mit meinen und seinen Launen und Stimmungen; damit, wie ich mit manchen "öffentlichen" Situationen nicht so ganz klar kam (sprich, wenn wir mit Freunden ausgingen und ich mich ausgegrenzt fühlte) und er wiederum nicht wusste, wie er damit umgehen sollte und mit Trotz reagierte. Wahrscheinlich war es teilweise ein interkulturelles Problem, dass ich mich oft ignoriert fühlte und mir vorkam, als würde ich ihm zur Last fallen. Dieses Gefühl möchte, glaube ich, niemand gerne haben in einer Partnerschaft. Versuche mit ihm über dies zu reden unternahm ich durchaus, teilweise mit Erfolg, teilweise aber auch darin resultierend, dass er ein verärgertes Gesicht machte und nur etwas sagte wie "Also, du bist mir hier gerade zu schlecht drauf, ich geh dann mal lieber nach Hause." - was nicht gerade zur Besserung meiner Stimmung beitrug.

Aber das soll jetzt alles nicht so klingen, als gäbe ich ihm die Schuld am Scheitern der Beziehung. Ich habe genauso meinen Beitrag geleistet und relativ frühzeitig die Hoffnung aufgegeben, dass wir unsere Probleme in den Griff bekommen und außerdem eine letztendlich mindestens 2-jährige Fernbeziehung überstehen können (was mir auch da schon unrealistisch schien). Irgendwie gab ich ihm das auch zu spüren. Ich wollte ihm signalisieren, dass sich etwas gravierend ändern muss, damit wir es schaffen... aber es war wohl zu viel für ihn und er machte dann am Abend des 24.6. in einer Bar, in der wir uns verabredet hatten, bzw draußen auf der Straße, nach einem schwierigen und melancholischen Gespräch abrupt Schluss, meines Wissens ohne es geplant zu haben. Zu dem Zeitpunkt hatte ich bereits selbst vorgehabt die Beziehung zu beenden, zumindest noch bevor ich nach Deutschland zurück fliege, aber ich hätte es wohl nicht oder zumindest nicht so schnell über's Herz gebracht.

Das Datum der Trennung habe ich so gut in Erinnerung, weil ich nach besagtem Abend, einem späteren tränenreichen Gespräch mit meiner Gastmutter und einer verheulten Nacht morgens, als ich mit dem Fahrrad zur Uni gefahren war, am Rechner meine E-Mails abrief und mir die neueste Boulevard-Pressenachricht auf der web.de-Startseite sofort ins Auge stach: Michael Jackson ist tot. Ich war, zugegebenermaßen, so schockiert und fassungslos, dass ich mich auf den wenige Minuten später startenden Japanischunterricht nur schwer konzentrieren konnte. Und, wie überall nachzulesen, starb Michael am 25.6.; die Trennung von Kazuki einen Tag zuvor ist für mich auf seltsame Weise damit verbunden.

Aber es gab auch einen Lichtblick später an jenem Tag: Einer von den Jungs vom A-Cappella-Kreis rief mich an und fragte, ob ich nicht mit ihnen vor der Kamera singen will. Ein regionales Komödiantenduo war an dem Tag auf unserem Campus unterwegs und drehte ein paar Einblicke in das Leben an der Osaka Gakuin Universität. Es war wohl nicht direkt geplant gewesen, mich dabei zu haben, aber so war das wirklich meine Rettung an dem Tag und brachte das Strahlen zurück auf mein Gesicht - mit dem A-Cappella-Kreis konnte ich immer viel Spaß haben. Es war letztendlich relativ anstrengend: die beiden Komiker interviewten uns erst und probten dann ein bisschen mit uns (teilweise vor der Kamera) um dann ein fertiges Lied mit uns zu präsentieren; sie waren durchaus nicht unmusikalisch... Aber in dem Interview-Teil stürzten sie sich natürlich gleich als erstes auf mich als einzige Ausländerin und weiße Langnase im Kreis und löcherten mich mit Fragen. Den Flirtversuchen wich ich natürlich aus, musste aber ein Sekündchen nachdenken bei der Frage, ob ich einen Freund habe... Ich kam zu dem Entschluss, es wäre am sichersten, wenn ich sage, dass ich an einen Deutschen vergeben bin und das beendete dann auch tatsächlich das Thema. Natürlich war alles nur Spaß und Show, aber für mich in dem Moment etwas unangenehm.

Mit Kazuki habe ich mich kurz vor meiner Abreise noch einmal zu einem ruhigen Gespräch getroffen und dann lange nichts von ihm gehört. Jetzt entsteht nach Monaten der Funkstille langsam wieder sowas wie ein zögerlicher sporadischer Mailkontakt und wir planen sogar demnächst mal zu telefonieren. Es wäre ja auch schade, wenn der Mensch, mit dem ich in Japan so viel erlebt und so viel Zeit verbracht habe, nun völlig aus meinem Leben verschwunden wäre. Ich zumindest hoffe, dass wir Freunde bleiben können - was wahrscheinlich aus der Distanz auch irgendwie einfacher ist als wenn man in der selben Stadt wohnt.

Ich freue mich nach wie vor über Kommentare (oder liest doch gar niemand mehr mit...?) und werde diesen Blog auch weiterführen, wenn auch nicht mehr so intensiv. Die nächste Japanreise steht immerhin schon in Aussicht: Am 15. März geht es los über Istanbul (mit Zeit für eine Stadtbesichtigung *g*) nach Tokyo und in einen dreiwöchigen Aufenthalt. Ich werde meine guten Trierer Freunde Christian, Katha und Juliane besuchen, die momentan in Tokyo studieren, einen Abstecher nach Osaka machen, auch da ein paar Besuche machen und in guten Erinnerungen schwelgen... Ja, ich freue mich schon sehr darauf, wieder japanische Luft zu schnuppern!

Liebe Grüße aus Trier nach wo auch immer ihr seid...
Eure Johanna

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