Samstag, 28. März 2009

Frühlingsferien - Teil 1

Halli hallo!


Erst einmal vielen vielen Dank an die lieben Menschen, die mir Geburtstagsgrüße haben zukommen lassen! Habe mich sehr gefreut!


Hier bin ich wieder, gerade heute aus Okinawa zurückgekehrt! Seit meinem letzten Eintrag sind ja nun auch schon wieder drei Wochen vergangen… Meine „Ferien“ enden mit diesem Wochenende und ab Montag heißt es dann wieder Hausaufgaben, Tests und vermutlich auch wieder sich seltsam aufführende Lehrkörper ertragen. Aber was ist denn so passiert bei mir? Vieles – wie immer…


Die letzte Unterrichtswoche Anfang März beinhaltete jeweils einen großen Kanji- und Grammatik-Test, ein Referat über interkulturelle Kommunikation (dessen Vorbereitung ich doch tatsächlich bis zu dem Morgen aufschob, an dem es dran war…), Kazukis Geburtstag, ein Abendessen mit Karaoke bei Lindseys regional berühmtem Ex-Profiboxer-und-jetzt-TV-Komödianten-Gastvater und seiner Frau, einen Ausflug mit meiner Gastmutter und eine Fahrradtour in Kyôto.


Anfang jener Woche plagten mich Kopfschmerzen – vermutlich wegen Stress und Schlafmangel – und am Mittwoch wurde Kazuki an seinem eigenen Geburtstag von hohem Fieber heimgesucht. Es war nichts Ernstes und ging auch relativ schnell wieder vorbei, hat ihm aber sehr zugesetzt. Am Freitag schleppte er sich mit Mühe und Not zu einem Bewerbungstermin, von dem er, wie ich sicherlich schon mal erwähnt habe, momentan unzählige hat, und am Sonntag war er dann wieder vollkommen gesund. Jedenfalls war ich dann am Freitag heilfroh endlich Ferien zu haben!


Nennenswerte Ereignisse in den darauf folgenden drei Ferienwochen waren: eine Teezeremonie im Kimono, eine Probenfahrt mit dem A-Cappella-Kreis, mein Geburtstag, eine weitere Fahrt nach Kyôto und schließlich eine zehntägige Reise nach Okinawa. Und wenn ich das hier so aufliste, klingt das dann auch schon ganz ordentlich, oder? Ich denke, ich kann sagen, dass ich meine freie Zeit gut genutzt habe!


Hier eine Bilderreise von Anfang bis Ende :D

Um meine bis zum 18. März gültige Zeitkarte auszunutzen, machte ich mich also am 8. März (So) mal wieder allein auf nach Kyôto, mietete dort ein Fahrrad und sah mir einige weitere berühmte Sehenswürdigkeiten an:


den Nishi-Honganji-Tempel,

das Nijôjô-Schloss mit Park,

den kaiserlichen Schlosspark Gosho-kôen,

den Heian-Schrein,

den Silbernen Tempel Ginkakuji ...
...der leider zur Zeit restauriert wird und dadurch unansehnlicherweise eingepackt ist! Ätsch, das letzte Bild war aus dem Internet ;P
Aber immerhin gibt es einen ganz netten Garten dazu:


und auf dem Weg zum Ginkakuji den "Weg der Philosophie",

und den Nanzenji-Tempel, den ich eigentlich nur eher zufällig auf dem Weg zurück zum Bahnhof „gefunden“ habe, mit eindrucksvollem Aquädukt.

Gleich am nächsten Tag (Mo) stand ein besonderes Ereignis bevor: Die Gastmutter meiner deutschen Freundin Julia hatte uns beide eingeladen mit Freundinnen eine Teezeremonie durchzuführen und uns zu diesem Zwecke in traditionell japanische Gewänder, "Kimono", zu kleiden! Lindsey war auch eingeladen, aber die hatte einen Fernsehtermin mit ihrem Gastvater... :-D Es war eine tolle Erfahrung: Julia und ich wurden angekleidet von drei älteren Damen, die eine Weile um uns herumwuselten, und dann ließen wir uns im Tatami-Raum nieder füer die Teezeremonie. Es war nicht zu steif und eigentlich recht lustig und interessant; eine der Damen war der "sensei" und Julia und ich durften uns auch am Tee machen versuchen. Da es eine Kunst ist, die aus dem Zen-Buddhismus entspringt, geht es um weit mehr als ums Tee Kochen und Trinken und alles läuft sehr ruhig und fließend. Eigentlich muss man dabei die ganze Zeit über auf den Knien sitzen. Leider haben Julia und ich das nicht lange genug durchgehalten, weswegen wir zwischendurch ganz unelegant auf Höckerchen saßen... Danach gab es noch Mittagessen, hübsch und lecker.

Von Mittwoch Mittag bis Freitag Mittag stand eine Kurzfahrt mit dem A-Cappella-Kreis zum unieigenen Seminarhaus etwa 20 Fahrradminuten von meiner Wohngegend entfernt an. Zunächst hatte ich überhaupt keine Lust darauf, weil ich lieber meine kurzen Ferien genießen wollte, solange sie währten, aber es hat dann doch noch richtig Spaß gemacht und ich habe ein paar meiner Mitsängerinnen und Mitsänger etwas besser kennen gelernt, denke ich. Außerdem war es ein gutes Japanischtraining...
Der Freitag der Rückkehr war dann auch schon mein Geburtstag. Es ist schon seltsam, wie dieser Tag im Laufe der Jahr mehr und mehr an Bedeutung verliert... Aber dieses Jahr war etwas Besonderes. Den Nachmittag verbrachte ich (in kleinerer Runde als geplant) mit Freunden beim Karaoke - der wohl geeignetste Ort für mich um Geburtstag zu feiern, wie ich fand - und danach führte mich Kazuki in ein italienisches Restaurant aus. Überraschungen blieben nicht aus!! Als wir so am Tisch saßen, veränderte sich mit einem Mal die Musik; die Kellner kamen an mit einem Geburtstagstörtchen und ließen die gesamte Kundschaft auf ein Happy Birthday mit einstimmen! Das war ein magischer Moment und ich war ganz und gar überwältigt...
An dieser Stelle mache ich jetzt mal einen Schnitt, sonst wird das zu lang... Also:
Fortsetzung folgt :D

Sonntag, 1. März 2009

Valentinstag, Englisch und anderer Unsinn

Hallo zusammen!

Es ist wieder Sonntag und obwohl draußen die Sonne scheint, bin ich den ganzen Tag in meinem Zimmer, stelle ein Geburtstagsgeschenk für meinen Freund Kazuki zusammen, lerne (oder zumindest habe ich das noch vor...) und schreibe bei der Gelegenheit auch einen Blogeintrag!

Die kommende Woche ist die letzte Uniwoche mit zwei Arbeiten und einem Referat, danach sind drei Wochen Ferien! In der ersten Ferienwoche habe ich Geburtstag, aber ich bin immer noch am Grübeln, wie ich den am besten verbringen könnte. Es wird wohl auf Massenkaraoke hinauslaufen. Das ist zwar nicht besonders außergewöhnlich angesichts der Tatsache, dass ich schon unzählige Male hier in Japan beim Karaoke war, aber andererseits: Wenn nicht dieses Jahr, wann dann? Ich bin schließlich in Japan und sollte diese Chance nutzen.

Direkt einen Tag nach meinem Geburtstag ist "White Day", eine Art Ausgleich zum Valentinstag. Um das zu erklären, muss ich etwas weiter ausholen, denn das ist hier in Japan alles etwas speziell: Am Valentinstag (14. Februar) schenken die Frauen den Männern Schokolade. Und zwar nicht nur dem Geliebten oder Schwarm, sondern auch Freunden, Kollegen, Vorgesetzten etc. Ich habe gehört, dass in den letztgenannten Fällen peinlich genau auf die Farbe der Verpackung geachtet werden sollte: Je dunkler das Rosa, desto enger die Verbindung. Ich mag es nicht, wie der ohnehin schon ziemlich kommerzielle Valentinstag hier in Japan noch perfektioniert wurde. Aber es kann auch anders zugehen: Ich selbst habe von einigen japanischen Freundinnen an der Uni selbstgemachte Schokomuffins etc bekommen, worüber ich mich sehr gefreut habe! Etwas Selbstgebackenes ist da doch schon was Anderes als etwas Gekauftes. Der White Day (14. März, genau vier Wochen nach dem Valentinstag) bietet dann den Männern die Gelegenheit den Frauen, von denen sie am Valentinstag Schokolade bekommen haben, ihrerseits Schokolade in weißer Verpackung oder andere Dinge zu schenken. Ich werde nach dem White Day mehr darüber erzählen können, aber ich habe gelesen, dass das White Day Geschenk 3x so teuer sein sollte als die zuvor bekommene Valentinsschokolade. Ich hoffe, Kazuki stürzt sich da nicht in Unkosten, zumal ich kürzlich beschlossen habe mich wieder gesünder zu ernähren, möglichst keine Süßigkeiten und mehr Gemüse und eiweißreiche / kohlehydratarme Dinge zu essen, um ein bisschen abzuspecken... Zum Valentinstag hatte ich ihm natürlich Schokolade geschenkt, aber auch ein Essen und einen Kinobesuch, da ich "nur Schokolade" etwas langweilig fand, und er hat sich riesig gefreut.

Der aus meinem letzten Blogeintrag herauszulesende Enthusiasmus bezüglich meines neuen Heims hat sich geglättet und ich erlebe, was ich in meinem letzten Eintrag unter "Symptome der Vergangenheit" abgelegt hatte: Die Englischversuche meiner Gastmutter gehen mir auf die Nerven, und zwar gehörig. Unsere Gespräche werden bestimmt davon. Wenn sie mir etwas sagen oder mich etwas fragen will, versucht sie das meistens auf Englisch und ich merke zwar, dass sie enttäuscht ist, dass ich nicht auch auf Englisch antworte, aber dazu bin ich ja auch schließlich nicht nach Japan gekommen. Ich fühle mich wie ein Versuchsobjekt. Dieses Englisch bewirkt bei mir, dass ich mich nur noch mehr wie eine Ausländerin fühle, die nicht hier herpasst. Abgesehen davon macht es unsere Kommunikation nur unnötig kompliziert. Ich verstehe zwar auch noch nicht jedes Wort auf Japanisch, aber ihr Englisch steckt wirklich noch so sehr in den Kinderschuhen, dass ich ihre selbstgebastelten Sätze kaum beim ersten Mal zu verstehen vermag. Manchmal wünschte ich, ich könnte überhaupt kein Englisch.

A propos selbst gemacht: Das scheinen die Fahrradregeln hier in Japan auch zu sein. Ich wollte darüber schon länger mal schreiben, und jetzt ist es soweit. Fahrradfahren ist hier ein gefährliches und mitunter teures Unterfangen. Wenn man in Japan ein Fahrrad kauft, lässt man es gleichzeitig auf eigenen Namen und Adresse registrieren. Wenn man also das Fahrrad dann mal an einer verbotenen Stelle oder auf einem Radparkplatz, für den man nicht bezahlt hat, abstellt, kriegt man einen Strafzettel oder das Rad wird direkt von der Polizei mitgenommen! Viele Leute fahren hier Fahrrad, aber viele scheinen nicht zu wissen, wie man sich als Fahrradfahrer im Straßenverkehr verhält. Deshalb fährt man in Japan grundsätzlich auf dem Fußweg (in nicht zu knappem Tempo), was das zu-Fuß-gehen nicht gerade sicherer macht. Aber das Dollste kommt noch: Wenn man denn mal auf der Straße fahren sollte, fährt man gerne auf der falschen Seite! In Japan herrscht Linksverkehr, aber Radfahrer betrachten sich anscheinend nicht als Verkehrsteilnehmer und fahren oft am rechten Straßenrand! Ich halte das für sehr gefährlich und schüttle jedes Mal den Kopf, wenn ich sowas sehe. Es gibt ja für Fußgänger die Regel, dass sie, wenn kein Fußweg vorhanden ist, auf der Straßenseite gehen sollen, auf der ihnen die Autos entgegenkommen. Hier aber scheint diese Regel auch auf Fahrradfahrer ausgeweitet zu sein.

Da ich im letzten Eintrag Bilder versprochen hatte, kommen jetzt hier mal ganz zusammenhanglos ein paar Zeugnisse der letzten Wochen:

ein Besuch beim Goldenen Tempel in Kyoto...



...und beim Ninna-ji mit Zen-Garten, nicht weit vom Goldenen Tempel:





Ein Ausflug des "Performing Arts"-Kurses zu einer Winterzeremonie in einem Schrein inklusive Kyôgen-Theater (im Regen...) und anschließendem Essen...




Die Katzen, die sich immer vor dem Gebäude des Internatinalen Zentrums der Uni herumtreiben...

Ein Ausflug mit Christine, ihren Gasteltern, deren Freunden und Andrea zum Kongô-san - eine Bergbesteigung, die mich noch drei Tage darauf Muskelkater spüren ließ!





So, genug für heute! Wie immer liebe Grüße in die Heimat und ganz besonders an meinen lieben Großvater, der, wie ich so höre, diesen Blog mit großem Interesse verfolgt und davon erzählt!

P.S.: Im Blog meiner amerikanischen Freundin Lindsey kann man auch ab und zu etwas über das Leben von uns Austauschstudent(inn)en erfahren! Ich wurde sogar schon einmal darin erwähnt *stolz* :)
Ihr findet ihn in meiner Blogliste am rechten Bildschirmrand!