Hallo mal wieder aus dem frühlingshaften Osaka!
Ich spare mir mal lange Vorreden und fange gleich mit den interessantesten Neuigkeiten an:
Die Schweinegrippe ist hier, in Japan, in Osaka. Die Ansteckungsgefahr ist auch in meiner Gegend vorhanden. In Osaka und der Nachbarpräfektur Hyogo haben sich offiziell bereits 163 Leute angesteckt.
Den Effekt der Grippewelle auf das tägliche Leben kann man sogar auf der Straße erkennen: Auffallend viele Leute tragen Mundschutz, oder „masuku“ (von engl.: mask). Auch normalerweise gibt es hier und da mal jemand mit masuku zu sehen – aus verschiedenen Gründen: Man ist erkältet und folgt brav den sozialen Normen, damit sich keiner ansteckt, oder man hat eine Pollenallergie oder einfach nur eine Bakterienparanoia… oder man ist ein berühmter Mensch, der nicht erkannt werden möchte. Doch in dieser Zeit der erhöhten Ansteckungsgefahr – vor Allem an Orten, wo große Menschenmassen herumwuseln – sieht man die masuku überall. Auch Kinder tragen sie. Natürlich sind sie in sämtlichen Geschäften zur Zeit restlos ausverkauft. Ich selbst trage jetzt auch oft eine, denn ich hatte in der Zeit, wo ich mal erkältet war, gleich eine 10er-Packung gekauft, nicht ahnend, dass ich die wirklich mal alle brauchen könnte.
Wie ernst die Sache mit der Schweinegrippe genommen wird, habe ich auch an der Uni zu spüren bekommen: Der Campus wurde vorgestern für eine Woche geschlossen! Es gibt keinen Unterricht und das Gelände darf nicht einmal mehr betreten werden. Sämtliche Bildungseinrichtungen in der Umgebung wurden ebenfalls vorübergehend geschlossen, denn die Grippewelle hat sich bis jetzt wohl vor Allem an Schulen verbreiten können.
Als wir also Montag Vormittag im Unterricht erfuhren, dass die restliche Woche frei ist, war die Atmosphäre eine Mischung aus Jubel und Verwunderung. Eine ganze Woche keinen Unterricht?? Ich persönlich war fast ein bisschen verärgert. Ich, die ganz furchtbar abhängig von Internetzugang ist, aber zu Hause kein Internet mehr hat, kann nun auch nicht mehr an der Uni ins Netz und musste ein bisschen darüber nachdenken, was ich in dieser Woche überhaupt machen kann. Mir fielen aber früh genug noch jede Menge Dinge ein, die zu erledigen sind: Referatsvorbereitung, Lernen, ein Paket packen & verschicken, einen Blogeintrag schreiben, einkaufen... Langeweile kommt bei mir wirklich nicht so leicht auf.
Nach dem Unterricht am Montag haben sich ein paar meiner Kommilitoninnen gleich in die Innenstadt aufgemacht zum Shoppen, ungeachtet meiner Bemerkung, dass es etwas unangemessen ist sich gerade jetzt in die Massen zu stürzen, wo wir doch unterrichtsfrei bekommen haben, damit wir uns nicht anstecken. Nun gut. Ich finde, dass Einige die Sache nicht ernst genug nehmen. Meine amerikanische Freundin Lindsey meinte zwar schon halb im Scherz, dass sie sich vermutlich irgendwo anstecken wird, weil sie in Japan schon die verschiedensten Krankheiten hatte und offenbar gut darin ist sich etwas einzufangen. Ich finde ja auch nicht, dass man in Panik ausbrechen sollte oder aus Angst vor Keimen nicht mehr auf die Straße gehen sollte, aber etwas vorsichtiger sollte man schon sein und es nicht herausfordern.
Soviel zur Schweinegrippe. Ansonsten gibt es als weitere Neuigkeit noch zu berichten, dass waehrend der "Golden Week" (29.4.-6.5.) mein lieber Vater zu Besuch gekommen ist. Wir haben zusammen in einem Hotel in Osaka uebernachtet und uns jeden Tag etwas Neues angeschaut: Die Burg von Osaka und die Shoppingmeilen, einige Tempel + Kabuki-Theater und den "Miyako-Odori"-Geisha-Tanz in Kyoto, den sehr sehenswerten Park in Nara mit den vielen Hirschen und dem grossen Buddhabildnis etc, die Burg von Himeji und so weiter. Viel Spass hat es gemacht, auch wenn ich es absolut nicht gewohnt war jemandem alles, woran ich hier so gewoehnt bin, vermitteln und erklaeren zu muessen. Am meisten hat sich mein Vater wohl ueber die grossen lauten Spielhallen ("Pachinko") gewundert, in die ich jedoch genausowenig wie er einen Fuss hineinsetzen wuerde, und ueber das komplizierte Bahnliniennetz mit den vielen verschiedenen Betreibern und praktisch keinem einheitlichen Liniennetzplan. Er hat sich nach der gemeinsamen Woche mit mir allein nach Tokyo, zum Berg Fuji und nach Hiroshima aufgemacht und obwohl ich mir schon etwas Sorgen gemacht hatte, ist er wohlbehalten nach der Woche wieder nach Osaka zurueckgekehrt und wir haben noch ein letztes gemeinsames Mittagessen in der Unimensa eingenommen. Ich fand es ganz toll, dass er sich doch noch entschlossen hatte trotz der Unannehmlichkeiten nach Japan zu kommen. Und angesichts des oben beschriebenen Trubels um die Schweinegrippe glaube ich, er ist zur richtigen Zeit wieder abgereist. Ich bin sicher, an den Flughaefen ist man jetzt noch alarmierter als sonst.
Vielen (verspaeteten) Dank uebrigens an meine lieben Grosseltern fuer euer Geburtstagsgeschenk! Habe mich sehr darueber gefreut und kann es natuerlich gut gebrauchen! Wir sehen uns vielleicht schon in Berlitt wieder!
Ansonsten bleibt nur zu sagen: Seid auf der Hut und macht es alle gut!
Das naechste Mal habe ich auch (hoffentlich!) wieder Fotos zur Hand, die ich hier hochladen kann!
Liebe Gruesse aus einem Internetcafe irgendwo in Osaka...
Johanna
(P.S.: Der Titel dieses Eintrags ist ein Zitat von Heinz Erhardt als Anspielung auf das Kinderlied "Trara trara die Post ist da";D)