Meine Güte, wie schnell die Zeit doch vergeht... Ein paar Leute haben sich schon Sorgen gemacht, weil ich nichts von mir hören lasse. Aber keine Sorge: Ich lebe noch! Und wie. Manchmal glaube ich, ich habe mir etwas zu viel aufgehalst, denn für Sightseeing oder Wochenendreisen ist absolut keine Zeit mehr vorhanden. Ich habe die schlechte Angewohnheit alle Dinge, die mich interessieren, in meinen ohnehin schon recht vollen Wochenplan integrieren zu wollen, auch wenn wichtige Dinge dabei manchmal ein bisschen zu kurz kommen. Aber meine Devise ist eben "Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg" - oder so ähnlich jedenfalls. Dafür plane ich in den Winterferien (2 Wochen, von denen ich noch 1 Woche zur freien Verfügung habe) etwas weiter weg zu fahren und die berühmten japanischen Thermalquellen ("Onsen") zu erleben. Aber trotz des Chaos hier habe ich euch natürlich keinesfalls vergessen!! Im Gegenteil - ich denke oft an die Heimat.
Mein Wochenendjob auf dem deutschen Wehnachtsmarkt in Osaka ist nicht so spaßig, wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Drei Tage hatte ich in der Glühweinhütte gearbeitet, bis mir zu meinem großen Erstaunen mitgeteilt wurde, dass meine Arbeit dort (aus teilweise völlig fadenscheinigen Gründen) überhaupt nicht gefalle und ich ja so ganz und gar nicht für das Kundengeschäft gemacht sei. Seitdem stehe ich also draußen im kalten Wind (der hier recht stark sein kann) und verteile rote Luftballons an die Kinder, da das laut Chefin der einzige Job sei, der für mich in Frage komme...! Kinder glücklich zu machen ist ja nun eigentlich keine so schlechte Sache. Trotzdem hatte ich mich in der Glühweinhütte wesentlich wohler gefühlt - hatte keine wunden Finger, stand nicht so im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und konnte mich- natürlich ohne die Arbeit zu vernachlässigen - ein bisschen mit meinen japanischen Kolleginnen unterhalten, was gut war für meine Spracherfahrungen. Alles, was ich jetzt noch sage, ist "Guten Tag", "bitteschön", "gern geschehen", und vereinzelt noch sowas wie "kalt, ne" oder "ich komme aus Deutschland" (danach fragen Einige). Gestern wurde ich andauernd fotografiert; kam mir schon vor wie ein Model. Naja - ich will mich nicht beschweren. Denn dafür sieht mein Kontostand jetzt ganz gut aus :)
Schlimmer als meine eigenen Erfahrungen finde ich, dass die deutschen Chefs den dort arbeitenden Japanern den Eindruck vermitteln, als wären Deutsche grundsätzlich unfreundlich, streng und egoistisch. Viele, die dort zum ersten Mal arbeiten, haben ihren Job schon hassen gelernt. Ich tue mein Bestes, um zu vermitteln, dass nicht alle Deutschen so sind... Aber Vorurteile liegen nun mal in der Natur des Menschen und ergeben sich leicht.
So, genug herumgemeckert. Jetzt gibt es noch ein paar herbstliche Bilder vom Campus (der sich sehen lassen kann, finde ich... :)) und dann muss ich auch schon wieder zur Arbeit...
Die internationalen StudentInnen...
Mein Japanischkurs...
Meine "erweiterte" Gastfamilie: Gilles aus Frankreich, mein Gastbruder Kaguya, meine Gastmutter und ich...
...und nochmal das gleiche mit meinem Gastvater. Dieser Ausflug war das erste Mal, dass wir wirklich mal alle beisammen waren...!
Viele liebe Grüße aus Kyoto!!
Eure Johanna
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