Sonntag, 1. März 2009

Valentinstag, Englisch und anderer Unsinn

Hallo zusammen!

Es ist wieder Sonntag und obwohl draußen die Sonne scheint, bin ich den ganzen Tag in meinem Zimmer, stelle ein Geburtstagsgeschenk für meinen Freund Kazuki zusammen, lerne (oder zumindest habe ich das noch vor...) und schreibe bei der Gelegenheit auch einen Blogeintrag!

Die kommende Woche ist die letzte Uniwoche mit zwei Arbeiten und einem Referat, danach sind drei Wochen Ferien! In der ersten Ferienwoche habe ich Geburtstag, aber ich bin immer noch am Grübeln, wie ich den am besten verbringen könnte. Es wird wohl auf Massenkaraoke hinauslaufen. Das ist zwar nicht besonders außergewöhnlich angesichts der Tatsache, dass ich schon unzählige Male hier in Japan beim Karaoke war, aber andererseits: Wenn nicht dieses Jahr, wann dann? Ich bin schließlich in Japan und sollte diese Chance nutzen.

Direkt einen Tag nach meinem Geburtstag ist "White Day", eine Art Ausgleich zum Valentinstag. Um das zu erklären, muss ich etwas weiter ausholen, denn das ist hier in Japan alles etwas speziell: Am Valentinstag (14. Februar) schenken die Frauen den Männern Schokolade. Und zwar nicht nur dem Geliebten oder Schwarm, sondern auch Freunden, Kollegen, Vorgesetzten etc. Ich habe gehört, dass in den letztgenannten Fällen peinlich genau auf die Farbe der Verpackung geachtet werden sollte: Je dunkler das Rosa, desto enger die Verbindung. Ich mag es nicht, wie der ohnehin schon ziemlich kommerzielle Valentinstag hier in Japan noch perfektioniert wurde. Aber es kann auch anders zugehen: Ich selbst habe von einigen japanischen Freundinnen an der Uni selbstgemachte Schokomuffins etc bekommen, worüber ich mich sehr gefreut habe! Etwas Selbstgebackenes ist da doch schon was Anderes als etwas Gekauftes. Der White Day (14. März, genau vier Wochen nach dem Valentinstag) bietet dann den Männern die Gelegenheit den Frauen, von denen sie am Valentinstag Schokolade bekommen haben, ihrerseits Schokolade in weißer Verpackung oder andere Dinge zu schenken. Ich werde nach dem White Day mehr darüber erzählen können, aber ich habe gelesen, dass das White Day Geschenk 3x so teuer sein sollte als die zuvor bekommene Valentinsschokolade. Ich hoffe, Kazuki stürzt sich da nicht in Unkosten, zumal ich kürzlich beschlossen habe mich wieder gesünder zu ernähren, möglichst keine Süßigkeiten und mehr Gemüse und eiweißreiche / kohlehydratarme Dinge zu essen, um ein bisschen abzuspecken... Zum Valentinstag hatte ich ihm natürlich Schokolade geschenkt, aber auch ein Essen und einen Kinobesuch, da ich "nur Schokolade" etwas langweilig fand, und er hat sich riesig gefreut.

Der aus meinem letzten Blogeintrag herauszulesende Enthusiasmus bezüglich meines neuen Heims hat sich geglättet und ich erlebe, was ich in meinem letzten Eintrag unter "Symptome der Vergangenheit" abgelegt hatte: Die Englischversuche meiner Gastmutter gehen mir auf die Nerven, und zwar gehörig. Unsere Gespräche werden bestimmt davon. Wenn sie mir etwas sagen oder mich etwas fragen will, versucht sie das meistens auf Englisch und ich merke zwar, dass sie enttäuscht ist, dass ich nicht auch auf Englisch antworte, aber dazu bin ich ja auch schließlich nicht nach Japan gekommen. Ich fühle mich wie ein Versuchsobjekt. Dieses Englisch bewirkt bei mir, dass ich mich nur noch mehr wie eine Ausländerin fühle, die nicht hier herpasst. Abgesehen davon macht es unsere Kommunikation nur unnötig kompliziert. Ich verstehe zwar auch noch nicht jedes Wort auf Japanisch, aber ihr Englisch steckt wirklich noch so sehr in den Kinderschuhen, dass ich ihre selbstgebastelten Sätze kaum beim ersten Mal zu verstehen vermag. Manchmal wünschte ich, ich könnte überhaupt kein Englisch.

A propos selbst gemacht: Das scheinen die Fahrradregeln hier in Japan auch zu sein. Ich wollte darüber schon länger mal schreiben, und jetzt ist es soweit. Fahrradfahren ist hier ein gefährliches und mitunter teures Unterfangen. Wenn man in Japan ein Fahrrad kauft, lässt man es gleichzeitig auf eigenen Namen und Adresse registrieren. Wenn man also das Fahrrad dann mal an einer verbotenen Stelle oder auf einem Radparkplatz, für den man nicht bezahlt hat, abstellt, kriegt man einen Strafzettel oder das Rad wird direkt von der Polizei mitgenommen! Viele Leute fahren hier Fahrrad, aber viele scheinen nicht zu wissen, wie man sich als Fahrradfahrer im Straßenverkehr verhält. Deshalb fährt man in Japan grundsätzlich auf dem Fußweg (in nicht zu knappem Tempo), was das zu-Fuß-gehen nicht gerade sicherer macht. Aber das Dollste kommt noch: Wenn man denn mal auf der Straße fahren sollte, fährt man gerne auf der falschen Seite! In Japan herrscht Linksverkehr, aber Radfahrer betrachten sich anscheinend nicht als Verkehrsteilnehmer und fahren oft am rechten Straßenrand! Ich halte das für sehr gefährlich und schüttle jedes Mal den Kopf, wenn ich sowas sehe. Es gibt ja für Fußgänger die Regel, dass sie, wenn kein Fußweg vorhanden ist, auf der Straßenseite gehen sollen, auf der ihnen die Autos entgegenkommen. Hier aber scheint diese Regel auch auf Fahrradfahrer ausgeweitet zu sein.

Da ich im letzten Eintrag Bilder versprochen hatte, kommen jetzt hier mal ganz zusammenhanglos ein paar Zeugnisse der letzten Wochen:

ein Besuch beim Goldenen Tempel in Kyoto...



...und beim Ninna-ji mit Zen-Garten, nicht weit vom Goldenen Tempel:





Ein Ausflug des "Performing Arts"-Kurses zu einer Winterzeremonie in einem Schrein inklusive Kyôgen-Theater (im Regen...) und anschließendem Essen...




Die Katzen, die sich immer vor dem Gebäude des Internatinalen Zentrums der Uni herumtreiben...

Ein Ausflug mit Christine, ihren Gasteltern, deren Freunden und Andrea zum Kongô-san - eine Bergbesteigung, die mich noch drei Tage darauf Muskelkater spüren ließ!





So, genug für heute! Wie immer liebe Grüße in die Heimat und ganz besonders an meinen lieben Großvater, der, wie ich so höre, diesen Blog mit großem Interesse verfolgt und davon erzählt!

P.S.: Im Blog meiner amerikanischen Freundin Lindsey kann man auch ab und zu etwas über das Leben von uns Austauschstudent(inn)en erfahren! Ich wurde sogar schon einmal darin erwähnt *stolz* :)
Ihr findet ihn in meiner Blogliste am rechten Bildschirmrand!

6 Kommentare:

Tom hat gesagt…

Vor allem die Bilder von den Landschaften und Gebäuden haben irgendwie etwas märchenhaftes, finde ich... Ganz toll :)

Hannah-Joe hat gesagt…

Ich auch :)

Hannah-Joe hat gesagt…

Kleiner Nachtrag: Ich habe vorgestern mit meiner Japanischlehrerin über die Fahrradsache gesprochen.

Gesetzlich ist es genau so vorgeschrieben wie in Deutschland: Fahrräder auf die Straße, und zwar auf die gleiche Seite wie die Autos. Alles andere hätte mich auch ziemlich schockiert. Bloß hält sich hier niemand dran...

Johannas Mama hat gesagt…

Liebe Johanna, auch auf diesem Weg nochmal liebe Grüße zum Geburtstag!!! Mach doch mal ein Foto von Deinem derzeitigen Zimmer, damit wir sehen, wie Du so lebst dort. Liebe Grüße Mama - und Thomas hat Recht, die Landschaftsbilder sind märchenhaft exotisch :-)

Susan hat gesagt…

Liebe Johanna,
herzliche Geburtstagsgrüße aus dem fernen Trier, alles Gute, Gesundheit und viele weitere, unvergessliche Eindrücke wünscht dir Susan.
Genieße deine wohlverdienten Ferien und lass dich am morgigen "White day" gut verwöhnen.... :-)

lisa hat gesagt…

Hallo Johanna, ich hab an deinem Geburtstag ganz fest an dich gedacht, hast du´s gemerkt. Dann hab ich mit dem PC gekämpft und verloren. Aber jetzt: Nachträglich ganz liebe Geburtstagswünsche an dich, alles Liebe und Gute!!!
Lisa