Samstag, 27. Dezember 2008

Guten Rutsch!!

Hallo ihr Lieben,

es tut mir schrecklich leid, dass ich nicht dazu gekommen bin all die Weihnachtsmails zu schreiben, die ich schreiben wollte! Ich arbeitete am 24. das letzte Mal auf dem Weihnachtsmarkt und verbrachte dann einen wundervollen 1. Weihnachtstag mit meinem Freund Kazuki! Ab morgen (Sonntag, 28.12.) gehen wir auf Reise Richtung Kyushu und kommen im neuen Jahr wieder. Außerdem steht in diesen Tagen viel Singen auf dem Programm, denn mein A-Cappella-Kreis macht heute ein großes Jahresabschlusstreffen mit Vorsingen der einzelnen Gruppen und gemeinsamem Essen. Da meine Gruppe sich ein sehr schwieriges Lied ausgesucht hat und erst seit Kurzem besteht, hatten wir viele Extraproben. Kurz und gut: Ich war in letzter Zeit wieder mal nicht besonders oft "zu Hause" und bei meinem Laptop, um mich für die vielen Weihnachtsmails und Neujahrswünsche zu bedanken und dafür möchte ich mich entschuldigen! Aber es geht mir sehr gut und ich hoffe, meinen Freunden und Verwandten in der Heimat geht es auch so!

Rutscht gut ins Jahr 2009!! :)
Eure Johanna

Sonntag, 7. Dezember 2008

Bilder vom Herbst

Hallo alle zusammen!

Meine Güte, wie schnell die Zeit doch vergeht... Ein paar Leute haben sich schon Sorgen gemacht, weil ich nichts von mir hören lasse. Aber keine Sorge: Ich lebe noch! Und wie. Manchmal glaube ich, ich habe mir etwas zu viel aufgehalst, denn für Sightseeing oder Wochenendreisen ist absolut keine Zeit mehr vorhanden. Ich habe die schlechte Angewohnheit alle Dinge, die mich interessieren, in meinen ohnehin schon recht vollen Wochenplan integrieren zu wollen, auch wenn wichtige Dinge dabei manchmal ein bisschen zu kurz kommen. Aber meine Devise ist eben "Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg" - oder so ähnlich jedenfalls. Dafür plane ich in den Winterferien (2 Wochen, von denen ich noch 1 Woche zur freien Verfügung habe) etwas weiter weg zu fahren und die berühmten japanischen Thermalquellen ("Onsen") zu erleben. Aber trotz des Chaos hier habe ich euch natürlich keinesfalls vergessen!! Im Gegenteil - ich denke oft an die Heimat.

Mein Wochenendjob auf dem deutschen Wehnachtsmarkt in Osaka ist nicht so spaßig, wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Drei Tage hatte ich in der Glühweinhütte gearbeitet, bis mir zu meinem großen Erstaunen mitgeteilt wurde, dass meine Arbeit dort (aus teilweise völlig fadenscheinigen Gründen) überhaupt nicht gefalle und ich ja so ganz und gar nicht für das Kundengeschäft gemacht sei. Seitdem stehe ich also draußen im kalten Wind (der hier recht stark sein kann) und verteile rote Luftballons an die Kinder, da das laut Chefin der einzige Job sei, der für mich in Frage komme...! Kinder glücklich zu machen ist ja nun eigentlich keine so schlechte Sache. Trotzdem hatte ich mich in der Glühweinhütte wesentlich wohler gefühlt - hatte keine wunden Finger, stand nicht so im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und konnte mich- natürlich ohne die Arbeit zu vernachlässigen - ein bisschen mit meinen japanischen Kolleginnen unterhalten, was gut war für meine Spracherfahrungen. Alles, was ich jetzt noch sage, ist "Guten Tag", "bitteschön", "gern geschehen", und vereinzelt noch sowas wie "kalt, ne" oder "ich komme aus Deutschland" (danach fragen Einige). Gestern wurde ich andauernd fotografiert; kam mir schon vor wie ein Model. Naja - ich will mich nicht beschweren. Denn dafür sieht mein Kontostand jetzt ganz gut aus :)

Schlimmer als meine eigenen Erfahrungen finde ich, dass die deutschen Chefs den dort arbeitenden Japanern den Eindruck vermitteln, als wären Deutsche grundsätzlich unfreundlich, streng und egoistisch. Viele, die dort zum ersten Mal arbeiten, haben ihren Job schon hassen gelernt. Ich tue mein Bestes, um zu vermitteln, dass nicht alle Deutschen so sind... Aber Vorurteile liegen nun mal in der Natur des Menschen und ergeben sich leicht.

So, genug herumgemeckert. Jetzt gibt es noch ein paar herbstliche Bilder vom Campus (der sich sehen lassen kann, finde ich... :)) und dann muss ich auch schon wieder zur Arbeit...


Die internationalen StudentInnen...

Mein Japanischkurs...
Meine "erweiterte" Gastfamilie: Gilles aus Frankreich, mein Gastbruder Kaguya, meine Gastmutter und ich...
...und nochmal das gleiche mit meinem Gastvater. Dieser Ausflug war das erste Mal, dass wir wirklich mal alle beisammen waren...!

Viele liebe Grüße aus Kyoto!!
Eure Johanna

Samstag, 1. November 2008

Neues aus Kyôto

Hallihallo,

hier melde ich mich mal wieder aus der Ferne. Der Alltag hat mich eingeholt und es ist schwerer geworden den Blog regelmäßig zu aktualisieren... aber ich versuche es! :)

Nach wie vor komme ich gut mit den anderen Austauschstudenten zurecht und wir unternehmen ab und zu was zusammen. Letzte Woche gab es ein vom Internationalen Zentrum der Uni organisiertes Barbeque im Expo-Park von Ôsaka...



...und die Woche davor einen Gruppenausflug mit dem "Japan's Performing Arts"-Kurs!


Natürlich unternehmen wir auch außerhalb der Uni etwas zusammen - meistens gehen wir entweder zum Karaoke oder irgendwo essen und v.a. trinken... Da soll es am nächsten Morgen schon so manche Versprechen gegeben haben, sowas nie wieder zu tun - und am nächsten Wochenende dann das gleiche Spiel. Ich selbst mag immer noch weder Bier noch Wein (mit Ausnahme des sehr süßen japanischen Pflaumenweins), halte mich also an Cocktails und Ähnliches, und hatte trotz so einiger Drinks noch keinen Absturz und kann mich bisher immer an alles erinnern. Aber so wie ich das sehe, ist es auch nicht gerade die Erfahrung wert, sich so hemmungslos zu besaufen, dass der ganze nächste Tag im Eimer ist....


Aber auch außerhalb des Kreises der Austauschstudenten versuche ich Kontakte zu knüpfen. Ich bin ja jetzt schon seit ein paar Wochen im "A-Cappella-Circle" der Osaka Gakuin Uni und probe dort 2x die Woche zusammen mit jeder Menge lustiger und netter japanischer Studenten; ein paar Querköpfe sind darunter, was ich sehr erfrischend finde! Da fühle ich mich wohl.
Dieser Club wird von den Studenten selbst organisiert, was mich sehr beeindruckt hat - dafür sind wir da aber auch nicht so effektiv, wie mir scheint: Erst gibt es eine Einsingübung, die niemals vom Standardschema abweicht (jede Menge "ssssss" für's Zwerchfell, aber bis zu 17 Sekunden lang angehalten, und "yamayamaya" die Tonleiter rauf und runter) und dann werden in kleineren Grüppchen die jeweils zu lernenden Lieder geübt. Allerdings beschränkt sich die Anzahl der geübten Lieder pro Probe meinem Eindruck nach lediglich auf 1-2 Stücke.
Ich habe diese Woche mit vier anderen Leuten (2 Mädels, 2 Jungs) eine Singgruppe gebildet und jetzt geht es auf Liedersuche. Bin mal gespannt, was wir so produzieren... Bis Weihnachten wollen wir zwei Lieder drauf haben.
Neulich waren wir chinesisch essen mit Super-Aussicht auf Ôsakas Periperie und natürlich inklusive Gruppenfoto... :)


Diese Woche durfte ich nicht als Einzige mit Erstaunen feststellen, dass zwei andere Austauschstudenten, von denen es niemand erwartet hätte, ein Paar geworden sind. Ich freue mich für die beiden, denn auch ich habe inzwischen jemanden hier gefunden. Er heißt Kazuki, sein Studienfach ist "International Studies" und er war letztes Jahr als Austauschstudent an einer Uni in Schweden. Recht lebhaft und eigentlich immer fröhlich - zumindest nach außen - rennt er auch ganz gern mal in der Gegend herum und spielt mit Freunden Fussball und ähnliches. Er verbringt viel Zeit mit den Austauschstudenten und so haben wir uns bereits am ersten Tag der Einführung an der Uni kennen gelernt (vor sechs Wochen) und wir sahen uns seither jeden Tag an der Uni. Er ist sehr lieb und aufopfernd, hat - was ich sehr süß finde - Träume und Vorstellungen, spinnt mit mir über Reisepläne inner- und außerhalb Japans und hat keine Scheu mir seine Gefühle mitzuteilen.
Dass sämtliche japanische Studenten hier jünger sind als ich (was widerum mir das Gefühl gibt, dass ich schon längst im Berufsleben stehen müsste, aber meinen Hintern nicht hochkriege...), trifft leider auch auf Kazuki zu; er ist 20. Japaner haben mit 18 ihre Hochschulreife, studieren dann idealerweise vier Jahre lang und sind mit 22 fertig. Auch unter den Austauschstudenten gehöre ich eher zum alten Eisen. Andererseits - was sind schon zwei, drei Jahre...
Hier ein Foto von uns beiden:

Dieses Foto entstand vergangenes Wochenende auf dem Kishibe-Sai, ein lokales Festival, das jährlich v.a. an der Uni hier stattfindet, mit Darbietungen und jede Menge Ess- und Getränkeständen. Die Eröffnungszeremonie war spektakulär, besonders durch eine Vorführung des Cheerleaderteams. Ich hatte so etwas noch nie live gesehen und war begeistert, auch wenn das als ein weiteres Zeichen für die Amerikanisierung Japans gesehen werden kann...


Auf dem Festival hatte auch die "I-Chat-Lounge", Studententreffpunkt und "English speaking zone" der Uni, einen Stand namens "I-Chat-Cafe" aufgebaut, an dem ich beim Getränke- und Keksverkauf mitwirkte.



Heute Abend gibt es eine Barbeque-Party bei einem Austauschstudenten aus Kalifornien und vorher gehe ich vielleicht noch mit Kazuki zusammen ein bisschen shoppen, was wir schon lange vorhatten, aber aus Zeitmangel nie geschafft haben...

Einen lieben Gruß in die Heimat! Ich freu mich immer von euch zu hören... ;)

Liebe Grüße aus Kyôto
Johanna



P.S. (@Larissa und alle, die es interessiert):
Nein, das stimmt nicht. Japaner essen Sushi - nur vielleicht nicht in dem Ausmaß, wie wir in Europa glauben. ;D Denn außerhalb Japans ist Sushi, wie ich glaube, der Inbegriff japanischen Essens, aber in Wirklichkeit gibt es selbstverständlich noch andere leckere japanische Gerichte. Beliebt sind "Onigiri", das sind Reisbällchen gefüllt mit allem möglichen Zeugs (Fisch, Hühnchen, Bohnen oder...) und verschiedene Arten von Nudeln wie "Udon" und "Soba", meistens in Brühe getränkt *schlabber* und mit verschiedenen wählbaren Zutaten serviert. Von den ganzen Fleischgerichten fange ich gar nicht erst an, denn die meide ich nach wie vor. Aber es gibt durchaus Sushi-Bars und Sushi wird hier sehr wohl gegessen.
Was widerum ziemlich unbekannt in Japan ist, ist Karate! Ist schon komisch, wenn man als Weißer nem Japaner eine japanische Sportart erklären muss. Karate hat hier wohl im Laufe der Zeit so sehr an Popularität verloren, dass es in Vergessenheit geriet. In Japan beliebte Kampfsportarten sind Kendô (viel Krach durch Kampfgeschrei und die aufeinander eindreschenden Bambusschwerter) und, ganz wichtig, Jûdô.

Samstag, 11. Oktober 2008

(Uni-)Leben

Hallo allerseits!

Lange lange ist er her, mein letzter Eintrag... Und ich muss gestehen, dass ich seitdem nicht wirklich viele Photos gemacht habe. Denn ich bin ja seit fast einem Monat nicht mehr auf Reisen, sondern habe jetzt eine feste Adresse: Kyoto.


Mein Alltag

Montag bis Freitag fahre ich jeden Morgen zur Uni: 7:35 verlasse ich (idealerweise) das Haus und laufe zum nächsten Bahnhof, 7:48 fährt der Zug ab. Ich fahre fünf Stationen bis Kyoto Hbf, steige dort in die Schnellbahn Richtung Osaka um, fahre eine Station und steige dann noch einmal um in einen langsameren Zug, der zwar die selbe Strecke fährt wie der schnelle, aber dafür an allen Bahnhöfen hält; so auch am Bahnhof nahe meiner Uni. Dies ist die schnellste Art und Weise mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Uni zu kommen, und ich habe ein paar Tage gebraucht um das auszutüfteln... Ich bin dann um 8:33 am Bahnhof "Kishibe" und kann bequem in etwa 8 Minuten zum Internationalen Zentrum laufen. Zu spät Kommen ist hier tabu, deshalb ist die Zeit so großzügig kalkuliert... An der Uni habe ich von 9:00 bis 11:10 Japanischunterricht (auf Japanisch) und nachmittags entweder den Kurs über japanische Bühnenkünste (2x/Woche, je 1,5h), den Kurs über japanische Filme (1x/Woche, 3h) (beides auf Englisch) oder ein kleines Extraportiönchen Japanischunterricht. Dienstag und Freitag Nachmittag habe ich frei. Mittwoch ist der längste Unitag, denn da habe ich bis 16 Uhr Unterricht.


Extracurriculares

Über diesen Stundenplan hinaus habe ich mich entschieden der A-Capella-Gruppe der Uni beizutreten, die etwa 20-30 Stimmen stark ist (und davon ist ein nicht zu kleiner Teil männlich!). Man trifft sich Dienstags und Donnerstags um 18 Uhr an der Uni, es wird ein kleines Update über was so los ist gegeben, alle zusammen singen sich ein und dann werden in kleinen Grüppchen Lieder einstudiert. Diese Woche waren meine zwei ersten Proben mit der Gruppe und wie erwartet bin ich natürlich die einzige Nicht-Japanerin dort. Am Anfang der ersten Probe am Dienstag war die Schüchternheit groß, aber im Verlauf dieser ersten und der zweiten Probe am Donnerstag kam ich dann doch mit ein paar Leuten ins Gespräch. Sie sind alle sehr nett und neugierig; als ich mich am Dienstag vorstellte, herrschte eine gespannte Stille. Natürlich läuft alles auf Japanisch - auch die Plauderei nach der Probe. Es macht aber tierisch Spaß mit den Leuten und ist glaube ich auch eine ideale Gelegenheit meine Sprachkenntnisse zu verbessern. Die Lieder, die wir singen, sind japanische und englische - momentan wird "The Longest Time" einstudiert, welches ich glücklicher Weise schon kannte...


Kulturschock

Wieder bin ich der Exot. Aber ich glaube, daran habe ich mich mittlerweile schon ganz gut gewöhnt. Ich war ja während meiner Reise hier in Japan teilweise schon regelrecht deprimiert und wäre am liebsten mit einer Papiertüte überm Kopf herumgelaufen, damit mich niemand mehr anschauen oder ansprechen kann. Es scheint zwar vielleicht von außen ganz nett zu sein als Attraktion gehandelt zu werden, aber für mich selbst war es extrem ungewohnt und unangenehm auf die Dauer. Nun, wie gesagt, das hat sich jetzt gelegt und ich kann wieder lächeln, wenn jemand mich mit großen Augen mustert. Ich glaube, das ist die beste Art zu reagieren, denn ich möchte ja auch repräsentativ ein bisschen die Scheu vor anderen Kulturen nehmen.
Eine Sache nervt mich jedoch immernoch, und das sind die Fahrradfahrer, die in nicht zu knappem Tempo die engen Bürgersteige mit den Fußgängern teilen und dich (meistens erst dann, wenn sie 3 Meter hinter dir sind) immer aus dem Weg klingeln. Ich glaube jedoch nicht, dass ich mich damit jemals vollends anfreunden werde.


Gastfamilie

Meine Gast"familie" besteht haupsächlich aus meiner Gastmutter namens Yûko und einem Franzosen namens Jil, der hier bis Weihnachten wohnen und einen Sprachkurs absolvieren wird. Meinen "Gastvater" und meinen 10 Jahre alten "Gastbruder" sehe ich höchstens mal ganz kurz Sonntags, denn eigentlich wohnen die beiden ca eine Stunde von hier entfernt. Wie wenig ich von den beiden weiß, zeigt sich in der für mich sehr peinlichen Tatsache, dass ich mich noch nicht mal an die Namen von den beiden erinnern kann.
Yûko ist eine hübsche Frau, Ende 30 und kann ganz witzig sein - ich habe schon ein paar Mal mit ihr ganz gut über etwas lachen können. Leider spricht sie ein bisschen zu viel Englisch mit mir... Das heißt, sie redet in japanischen Sätzen und ersetzt die Nomen und teilweise auch die Verben durch die entsprechenden englischen Vokabeln, was die Sache manchmal etwas verwirrend macht. Morgens bin ich die erste hier, die aufsteht, frühstückt und das Haus verlässt.
Jil ist auch nett, spricht gut Englisch und nicht schlecht Japanisch. Ich schätze ihn auf Mitte 40 ein, vielleicht auch mehr. Sein Sprachkurs hat noch nicht begonnen, weshalb er momentan noch eine Menge Zeit hat Kyoto & Co zu erkunden. Irgendwie beneide ich ihn darum, denn ich habe in letzter Zeit das Gefühl, dass ich gar keine Zeit mehr für mich habe.


Soziales

Die anderen Austauschstudenten kommen aus USA, Mexiko, Finnland, Holland, Philippinen, Korea, China und Thailand; insgesamt sind wir 31. Letztes Wochenende gab es eine "Welcome Party" extra für uns an der Uni, wo auch die Gastfamilien eingeladen waren. Wir mussten uns vor versammelter Halle einzeln vorstellen, dann wurde gegessen und getrunken und ein Frage-Antwort-Spiel gespielt, welches ziemlich chaotisch und stressig war... Jedenfalls war ich mit den anderen Studis schon beim Karaoke und gestern Abend auch was Trinken (ich wurde permanent gezwungen heißen Sake zu trinken - *würg*) - es ist ne lustige Truppe! Was mir auffällt, ist, dass irgendwie noch eine Schranke da zu sein scheint zwischen den Amerikanern/Europäern und den Asiaten. Nur das eine Mädel aus Thailand ist ziemlich extrovertiert und geht auch mit uns aus, aber die Chinesinnen und Koreanerinnen sind da sehr zurückhaltend. Bei der Gelegenheit fällt mir außerdem auf, dass alle männlichen Austauschstudenten aus dem Westen kommen - bis auf einen Jungen von den Philippinen, der aber auch eher mit uns Westlern abhängt. Aber vielleicht kommen wir uns alle im Laufe der zwei Semester noch näher - ich würde es mir wünschen. Sicherlich spielt auch die Sprachbarriere eine Rolle, denn die Westler können noch nicht so perfekt Japanisch und die Ostasiaten nicht so gut Englisch.


Ich bin im Moment etwas erkältet, was am Wetter liegen könnte. Mal regnet es den ganzen Tag, mal herrscht purer Sonnenschein; mal braucht man ne Jacke, mal ist's auch im T-Shirt noch heiß... Aber es geht alles noch. Die Symptome beschränken sich bisher auf einen rauhen Hals, eine halbverstopfte Nase und gelegentliche leichte Kopfschmerzen. Und Müdigkeit... *gähn*

Das war's erstmal für heute - bis bald und herzlichste Grüße in die Heimat,
eure Johanna


P.S.: Habe doch noch ein paar Fotos gefunden... ;)





Sonntag, 21. September 2008

Meine Nara-Zeit

Halli-hallo allerseits!

Wer ab und zu mitliest, weiß, dass ich, wenn ich denn mal was schreibe, es dann auch nicht untertreibe - mal abgesehen von meinem letzten Eintrag. Folglich dauert es dann auch entsprechend länger, bis ich mich dazu überwinden kann mich hinzusetzen und stundenlang Texte zu schreiben und Fotos hochzuladen... Ich schreibe gerne Blogeinträge, aber ich habe eben auch nicht immer die Zeit oder die Geduld. Naja, das nur als Erklärung, warum ich in letzter Zeit nicht so viel von mir habe hören lassen! Ich will mich nicht lange mit Vorreden aufhalten, schließlich gibt es viel zu erzählen...

Irgendwie doch schweren Herzens verabschiedete ich mich vor knapp 2 Wochen also von Tôkyô und fuhr nach Nara - von dieser Reise habe ich ja bereits erzählt... Es gibt zwei Dinge, die man unbedingt über Nara wissen sollte: Nara war (im 8. Jahrhundert n. Chr. in der sog. Nara-Zeit) die erste richtige Hauptstadt des Kaiserreichs - UND - es gibt dort seeeeeeeehr viele Rehe. Diese Stadt ist ein einziger Streichelzoo (zumindest im riesigen "Nara-Park"), nur dass es keine Zäune gibt. Die Rehe gelten als Botschafter der Shintô-Götter und sind daher heilige Wesen. Nach der anfänglichen Faszination dafür, wie gut Mensch und Reh in Nara nebeneinander leben können und wie anmutig die Tiere sich bewegen, holte mich die Realität ein: Dummerweise hatte ich unterwegs Bananen gekauft (ausnahmsweise ein Obst, das tatsächlich bezahlbar ist in Japan ;)) und sah mich schließlich mit einem Reh darum ringen; denn wenn die was zu Essen wittern, ist niemand mehr sicher...
Okay, ich übertreibe etwas. Es läuft alles noch in relativ zivilisierten Bahnen.
Hier ein paar Bilder der Rehe von Nara, die doch vielleicht schon etwas zu sehr an den Menschen gewöhnt sind...





In Nara gibt es so einige schöne Sehenswürdigkeiten. Ein Highlight ist die riesige Buddhastatue des Tôdaiji-Tempels...




...ein anderes der Kasuga-Schrein...




...und vieles mehr!





An einem Tag machte ich einen Ausflug nach Asuka; das ist ein kleiner Ort mitten in einer Gegend voller weit verstreuter Sehenswürdigkeiten wie Tempel, Hügelgräber und seltsam geformte Felsen. Ich lieh mir ein Fahrrad und radelte los - bei ca. 30° Hitze und prallender Sonne (natürlich hatte ich mich nicht eingecremt und kriegte einen netten kleinen Sonnenbrand...). Angeblich ist der "Asukadera" der allererste buddhistische Tempel Japans aus dem 6. Jahrhundert:




Hier eine alte Grabkammer aus massivem Felsen ("Ishibutai-Kofun):



Auch sonst war die Gegend wirklich sehr reizvoll und dank des zwar heißen aber auch wolkenlosen Wetters war es ein sehr entspannender, schöner und abwechslungsreicher Ausflug! (Vielleicht auch deshalb, weil mir das Radfahren ein bisschen fehlt...)






Zu der Zeit, wo ich in Nara war, gab es dort zufälligerweise ein Festival (jap. matsuri) namens Uneme-Matsuri. Es ist wohl einer Hofdame der Nara-Zeit (8. Jh.) gewidmet, die unglücklich verliebt gewesen sein soll. An dem Tag gab es zunächst ab 17 Uhr einen Umzug, eine Art Parade, mit vielen Leuten in traditionellen Gewändern (insbesondere die Kinder waren entzückend!) und einer "Schönheitskönigin" in einem geschmückten Karren, und gegen 19 Uhr gab es schön dekorierte Boote zu sehen, die auf einem Teich umherfuhren. Auf den entsprechenden zwei Bildern sieht man im Hintergrund sogar die Pagode des Kôfukuji...











Auf dem Weg zurück zum Hostel fand ich den Beweis dafür, dass selbst Japaner durchaus manchmal Regeln brechen...

("Fahrradparkverbot")

Nach vier Tagen in Nara (die Leute staunen immer, was ich so lange an ein und demselben Ort treibe - aber ich lasse mir nunmal gerne Zeit...) bin ich am 16.9. mit dem Zug nach Kyôto gefahren. Ein Katzensprung - es dauerte nicht mal eine Stunde! Es war mit dem Internationalen Zentrum der Osaka Gakuin Universität, wo ich studieren werde, verabredet, dass mich jemand am Kyôto Bahnhof abholt und mir den Weg zum Haus meiner Gastfamilie zeigt. Ich dachte erst, man hätte mich vergessen, als ich am Bahnhof von niemandem empfangen wurde, aber ein paar Minuten später wurde ich überrascht: Es war Hiromi, der Germanistik studiert und in Trier sein Auslandssemester gemacht hat. Anscheinend hat man ihn gefragt, ob er mich kennt und abholen würde. Ich hatte gedacht, dass ein Mensch von der Uni, so mit Anzug und Krawatte, mich abholen kommt, aber ein bekanntes Gesicht wäre das Letzte gewesen, was ich erwartet hätte! Wir fuhren noch ein paar Stationen Zug und wurden am Bahnhofsausgang dann von meiner Gastmutter in Empfang genommen: Eine jung aussehende hübsche kleine Frau, die, wie sich herausstellte, recht viel redet - bloß am Anfang gar nicht mit mir, sondern nur mit meinem Begleiter. Nun gut, dachte ich, ich werde ja wohl noch genug Zeit mit ihr verbringen, und trottete hinter den beiden her zu meinem neuen Zuhause.

Jetzt bin ich also hier. Aber es ist schon spät, deshalb:

Fortsetzung folgt...!