Wer ab und zu mitliest, weiß, dass ich, wenn ich denn mal was schreibe, es dann auch nicht untertreibe - mal abgesehen von meinem letzten Eintrag. Folglich dauert es dann auch entsprechend länger, bis ich mich dazu überwinden kann mich hinzusetzen und stundenlang Texte zu schreiben und Fotos hochzuladen... Ich schreibe gerne Blogeinträge, aber ich habe eben auch nicht immer die Zeit oder die Geduld. Naja, das nur als Erklärung, warum ich in letzter Zeit nicht so viel von mir habe hören lassen! Ich will mich nicht lange mit Vorreden aufhalten, schließlich gibt es viel zu erzählen...
Irgendwie doch schweren Herzens verabschiedete ich mich vor knapp 2 Wochen also von Tôkyô und fuhr nach Nara - von dieser Reise habe ich ja bereits erzählt... Es gibt zwei Dinge, die man unbedingt über Nara wissen sollte: Nara war (im 8. Jahrhundert n. Chr. in der sog. Nara-Zeit) die erste richtige Hauptstadt des Kaiserreichs - UND - es gibt dort seeeeeeeehr viele Rehe. Diese Stadt ist ein einziger Streichelzoo (zumindest im riesigen "Nara-Park"), nur dass es keine Zäune gibt. Die Rehe gelten als Botschafter der Shintô-Götter und sind daher heilige Wesen. Nach der anfänglichen Faszination dafür, wie gut Mensch und Reh in Nara nebeneinander leben können und wie anmutig die Tiere sich bewegen, holte mich die Realität ein: Dummerweise hatte ich unterwegs Bananen gekauft (ausnahmsweise ein Obst, das tatsächlich bezahlbar ist in Japan ;)) und sah mich schließlich mit einem Reh darum ringen; denn wenn die was zu Essen wittern, ist niemand mehr sicher...
Okay, ich übertreibe etwas. Es läuft alles noch in relativ zivilisierten Bahnen.
Hier ein paar Bilder der Rehe von Nara, die doch vielleicht schon etwas zu sehr an den Menschen gewöhnt sind...
In Nara gibt es so einige schöne Sehenswürdigkeiten. Ein Highlight ist die riesige Buddhastatue des Tôdaiji-Tempels...
...ein anderes der Kasuga-Schrein...
...und vieles mehr!
An einem Tag machte ich einen Ausflug nach Asuka; das ist ein kleiner Ort mitten in einer Gegend voller weit verstreuter Sehenswürdigkeiten wie Tempel, Hügelgräber und seltsam geformte Felsen. Ich lieh mir ein Fahrrad und radelte los - bei ca. 30° Hitze und prallender Sonne (natürlich hatte ich mich nicht eingecremt und kriegte einen netten kleinen Sonnenbrand...). Angeblich ist der "Asukadera" der allererste buddhistische Tempel Japans aus dem 6. Jahrhundert:
Hier eine alte Grabkammer aus massivem Felsen ("Ishibutai-Kofun):
Auch sonst war die Gegend wirklich sehr reizvoll und dank des zwar heißen aber auch wolkenlosen Wetters war es ein sehr entspannender, schöner und abwechslungsreicher Ausflug! (Vielleicht auch deshalb, weil mir das Radfahren ein bisschen fehlt...)
Zu der Zeit, wo ich in Nara war, gab es dort zufälligerweise ein Festival (jap. matsuri) namens Uneme-Matsuri. Es ist wohl einer Hofdame der Nara-Zeit (8. Jh.) gewidmet, die unglücklich verliebt gewesen sein soll. An dem Tag gab es zunächst ab 17 Uhr einen Umzug, eine Art Parade, mit vielen Leuten in traditionellen Gewändern (insbesondere die Kinder waren entzückend!) und einer "Schönheitskönigin" in einem geschmückten Karren, und gegen 19 Uhr gab es schön dekorierte Boote zu sehen, die auf einem Teich umherfuhren. Auf den entsprechenden zwei Bildern sieht man im Hintergrund sogar die Pagode des Kôfukuji...
Auf dem Weg zurück zum Hostel fand ich den Beweis dafür, dass selbst Japaner durchaus manchmal Regeln brechen...
Nach vier Tagen in Nara (die Leute staunen immer, was ich so lange an ein und demselben Ort treibe - aber ich lasse mir nunmal gerne Zeit...) bin ich am 16.9. mit dem Zug nach Kyôto gefahren. Ein Katzensprung - es dauerte nicht mal eine Stunde! Es war mit dem Internationalen Zentrum der Osaka Gakuin Universität, wo ich studieren werde, verabredet, dass mich jemand am Kyôto Bahnhof abholt und mir den Weg zum Haus meiner Gastfamilie zeigt. Ich dachte erst, man hätte mich vergessen, als ich am Bahnhof von niemandem empfangen wurde, aber ein paar Minuten später wurde ich überrascht: Es war Hiromi, der Germanistik studiert und in Trier sein Auslandssemester gemacht hat. Anscheinend hat man ihn gefragt, ob er mich kennt und abholen würde. Ich hatte gedacht, dass ein Mensch von der Uni, so mit Anzug und Krawatte, mich abholen kommt, aber ein bekanntes Gesicht wäre das Letzte gewesen, was ich erwartet hätte! Wir fuhren noch ein paar Stationen Zug und wurden am Bahnhofsausgang dann von meiner Gastmutter in Empfang genommen: Eine jung aussehende hübsche kleine Frau, die, wie sich herausstellte, recht viel redet - bloß am Anfang gar nicht mit mir, sondern nur mit meinem Begleiter. Nun gut, dachte ich, ich werde ja wohl noch genug Zeit mit ihr verbringen, und trottete hinter den beiden her zu meinem neuen Zuhause.
Jetzt bin ich also hier. Aber es ist schon spät, deshalb:
Fortsetzung folgt...!
3 Kommentare:
Wow, habe noch nie so viele Rehe auf einem Haufen gesehen... :-D
Beneidenswert, wie viel Hochkultur du in Japan zu sehen bekommst. Hier in Winnipeg heißen die Schreine A&W, Tim Hortons, Starbucks und Subway und die Architektur ist zusammengeklaut!
Sehr sehr schöne Fotos, bin gespannt wie es weitergeht!
Hi Johanna! Hab endlich mal geschafft deinen Blog anzusehen. Da hab ich ja schon viel verpasst. Klingt echt spannend und erinnert mich (mal abgesehen von den vielen Tempeln) sehr stark an meine Erlebnisse hier in Nicaragua (Exot sein, keine Deutschen sprechen wollen, immer auf Leute mit fremder Sprache und keiner Ahnung als Wegweiser angewiesen sein, nasse Sachen, von allen angequatscht werden - das hat auch mir anfangs schlecht Laune beschert). Mitlerweile adaptiere ich mich ganz gut.
Japan gehört übrigens zu einem der wenigen Länder, das sie hier kennen (auch wenn sie nicht mal wissen, ob es auf der Nord- oder Südhalbkugel liegt). Von Deutschland hingegen denken die meisten das liegt in den USA. Ich sprech ja auch meistens Englisch :)
Wünsch dir noch ne schöne Zeit!
Alles Liebe, Diana
servus johanna, ei wie schöne bilder du da hast. ich will auch nach japan, mannooo. war aber gerade in den usa, hihi. wann kommst du denn wieder nach deutschland? bussi, jan
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