Und da bin ich schon wieder! Heute gibt es leider keine Bilder... (Beschwerden bitte nur schriftlich einreichen.)
Odyssee
Ich bin gestern in Nara angekommen. Musste auf dem Weg von Tôkyô bis hierher ungefähr 10x umsteigen, hatte oft gerade mal fünf Minuten Umsteigezeit, und die ganze Sache hat über 10 Stunden gedauert. Der Trick beim Umsteigen ist, wenn es keine digitalen Anzeigen am Bahnsteig gibt und keine Zeit zum Orientieren bleibt, einfach den anderen Menschen hinterherzulaufen – besonders denen, die eilig gehen. Damit ist man meistens auf der sicheren Seite... Tja, leider war der Weg vom Bahnhof zum Hostel nicht ganz so leicht. Ich scheine auf der falschen Seite des Bahnhofs heraus gekommen zu sein und es herrschte Totenstille. Es war dunkel. Ich lief natürlich erstmal völlig in die falsche Richtung auf der Suche nach der Touristeninfo, die laut meinem Reiseführer noch ca. 13 Minuten geöffnet sein sollte. Mein mittlerweile etwa 25kg schwerer Rucksack drückte auf meine Hueftknochen und Schultern, mir war heiß. Irgendwann gab ich es auf und fragte einen Polizisten, der den (spärlichen) Verkehr zu regeln schien, wo denn der und der Bahnhof sei. Er überlegte erstmal kurz und fragte dann einen vorbeikommenden Radfahrer... Ist das nicht seltsam? Jedenfalls tüftelten sie das irgendwie gemeinsam aus und schickten mich dann auch in die Richtung eines Bahnhofs. Dort bestätigte sich dann erst, was ich vorhin erwähnte: Dass ich von vornherein falsch gelaufen bin. An dem Bahnhof fragte ich einen Taxifahrer, ob er das und das Hostel kenne. Wieder konnte er das Rätsel aber nicht alleine lösen und frage sofort einen anderen Taxifahrer, ob er es kennt. Es kommt mir vor, als könnten die Leute hier nichts alleine zustande bringen. Ich erfuhr letztendlich den Preis für die Taxifahrt bis zum Hostel – ca.1500 Yen - und entschied mich dagegen. Ich fuhr also noch eine Station Zug, suchte die richtige Bushaltestelle (wobei ich auf das Wort von Busfahrern und anderen Leuten angewiesen war) und erwischte dann tatsächlich auch den richtigen Bus. Ich wusste, wie die Station hieß, wo ich aussteigen muss, also setzte ich mich hin und achtete auf die Stationenanzeige. Nun wollte und wollte meine Station aber nicht auftauchen. Als der Bus schon irgendwo in der Pampa war, brachte ich dann doch mal die Energie auf, nach vorne zu gehen und den Busfahrer zu fragen, ob die Station noch kommt. Er hat mir freundlicher Weise nichts für die Fahrt berechnet und sagte mir, ich solle an der Endhaltestelle ca. 25 Minuten da und da warten, was ich tat. Ich aß dann den Rest meiner Vorräte auf und wartete, bis der Bus zurückkam – selbe Linie, selber Busfahrer. An der richtigen Haltestelle rief er mich, dass ich hier aussteigen muss, und erklärte mir den Weg zum Hostel. Endlich mal jemand, der weiß wo der Hammer hängt. Und ich muss diesem Mann wirklich danken, denn ohne ihn waere ich wohl heute noch auf der Suche... Ich schleppte mich schweißgebadet durch die dunklen Straßen und eine kurze Steigung hinauf und kam am Hostel an. Check-In-Zeit war schon längst vorbei, aber da ich vorher 2x angerufen hatte und gesagt hatte, dass es spät wird, war der Rezeptionist freundlicherweise noch da geblieben. Ich checkte also ein und kam in ein 8-Bett-Zimmer, wo schon drei andere junge Frauen waren. Die musterten mich nur kurz, als ich reinkam – kein Gespräch und nichts. Aber mir war sowieso nicht nach Plaudern. Ich war fix und alle.
Duschentzug
So, jetzt komme ich endlich zu einer Sache, die ich hier ziemlich komisch finde und die mir auf den Senkel geht: In japanischen Hostels ist die Benutzung der Duschen immer auf bestimmte Zeiträume beschränkt. In diesem Hostel z.B. darf man ausschließlich morgens von 6 bis 9 und abends von 18 bis 21 Uhr duschen. Im Hostel in Hirosaki durfte man morgens sogar nur von 6 bis 8 Uhr duschen, aber abends durfte man dafür länger und es ist sowieso eher üblich abends zu duschen. Im Klartext: Ich kam gestern Abend gegen 22 Uhr völlig verschwitzt und erledigt hier an und durfte nicht duschen. Zu allem Überfluss habe ich dann heute früh auch noch die Duschzeit verschlafen. Teilweise kann ich diese Regelung vielleicht erklären: Im Badezimmer sind nicht nur Duschen, sondern auch ein Bad (manchmal für eine, manchmal für mehrere Personen), das zu den Benutzungszeiten mit heißem Wasser gefüllt wird und wo dann alle Gäste drin baden dürfen. Ok, dass das nicht rund um die Uhr zur Verfügung stehen kann, ist klar. Aber warum zum Teufel darf ich nicht duschen, wann ich will? Das ging mir heute Vormittag gehörig auf den Keks. Mittlerweile bin ich aber wieder frisch und stecke in sauberen Klamotten. Wie schön das doch sein kann...
Sprache
In diesem Hostel scheinen sich außerdem alle deutschen Touristen Naras zu versammeln. Ich habe zwei Mädels in meinem Zimmer deutsch sprechen hören und heute früh kam ein Typ rein, der sich offenbar in der Tür geirrt hatte und sich auch gleich mit einem „Entschuldigung“ wieder verabschiedete. Na gut, ich will mal nicht so sein. Ist ja auch eigentlich mal ganz schön zur Abwechslung etwas Deutsch zu hören. Tatsuya, der Freund aus meinem Hotel in Tôkyô, hat sich übrigens zu meinem Leidwesen immer über die deutsche Sprache lustig gemacht und hat manchmal die in seinen Ohren besonders hart klingenden deutschen Konsonanten nachgeäfft. Ich bin nicht besonders nationalistisch oder so - in Deutschland kannst du das ja auch nicht mehr so ohne weiteres sein ohne gleich als Nazi beschimpft zu werden - aber irgendwo sollte man sich ein bisschen nationale Restidentität und Stolz bewahren dürfen, finde ich. Vielleicht ist Deutsch nicht gerade die am romantischsten klingende Sprache auf der Welt... aber schlecht ist sie deshalb nicht. Wie dem auch sei, ich vermeide es trotzdem mit den anderen Deutschen zu reden, aber ich kann nicht genau erklaeren, warum. In Wirklichkeit können die Mädels in meinem Zimmer eigentlich gar nicht wissen, woher ich stamme, denn bis auf „Hi“ habe ich noch nichts gesagt. Sie scheinen es mir trotzdem irgendwie an der Nasenspitze anzusehen, denn sie sagen immer „Hallo“ zu mir.
Vorhin habe ich im Park mit einem Reh um den Inhalt meiner Tasche gekaempft - es war cartoonreif und ich habe eine Banane im Kampf an das Reh verloren. Aber Bilder von dieser grossartigen Stadt und auch von den Rehen gibt es das naechste Mal! Bis dann...
Eure Johanna
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen