Dienstag, 2. September 2008

Auf und ab!

Halli hallo und herzlich willkommen zurück in der Zivilisation!

Seit gestern Abend habe ich wieder W-LAN und es wird höchste Zeit für einen neuen Eintrag! Vor allem da ich seit Nikko...



...eine ganz schöne Strecke zurückgelegt habe: Ich bin auf der japanischen Hauptinsel Honshû weiter nach Nordosten gefahren und habe zwei Tage in Sendai, einer größeren Stadt fast an der Küste, verbracht. Ich kam abends an, nahm ein Bad und dann war der Tag auch schon gelaufen. Am nächsten Morgen wurde ich allerdings vom Telefon von meinem Futon geworfen: Die Rezeption wies mich freundlich darauf hin, dass ich jetzt auschecken müsse; das Hostel war zu dem Zeitpunkt voller Kinder, wahrscheinlich eine Klassen- oder Stufenfahrt, und die nächste Nacht war völlig ausgebucht. Ich also fluchend aufgesprungen, Sachen zusammengepackt - meine nette japanische Zimmergenosssin war schon längst weg - und das Gepäck erstmal neben der Rezeption gebunkert. Ich erkundete dann ein bisschen die Stadt, checkte beim anderen Hostel ein und habe dann später wie ein Packesel, sparsam wie ich bin, mein Gepäck zu Fuß in das andere Hostel geschleppt, welches sich aber auch als sehr nett herausstellte. Es gab zwar kein Internet, aber freundliche Japaner, mit denen man sich auch mal gemütlich nen ganzen Abend lang unterhalten hat - auf Japanisch natürlich. Klar geht das nicht völlig ohne Schwierigkeiten und ist auch anstrengend auf die Dauer, aber es ist auch enorm wichtig für meine sprachliche Entwicklung.





Der Stadtgründer: Date Masamune
Mein dorm (für 4 Leute):

In Sendai hatte ich auch mein erstes (oder besser gesagt zweites nach Nikkô) Stimmungstief. Wieso? Nun, einen einzigen speziellen Grund gab es dafür nicht. Es waren mehrere Dinge, die mir auf die Nerven gingen und sich addierten.

Eine Londonerin, mit der ich das Zimmer teilte und mich gut verstand (schön mal ordentliches Englisch zu hören!), erzählte mir, in Japan würde das Bild vom ungepflegten Europäer und vom „dreckigen“ Europa allgemein gelten. Zumindest hätte das eine japanische Freundin von ihr so dargestellt. Das hat mir zu denken gegeben! Ich könnte jetzt anfangen die Japaner zu kritisieren, wie sie rumlaufen und sich verhalten (und da würde mir durchaus Einiges zu einfallen!), aber erstens ist das gar nicht wirklich meine Art und zweitens war das bloß eine subjektive Bemerkung, die ich aus zweiter Hand gehört habe. Sollte man nicht überbewerten. Trotzdem, wie gesagt: es hat mich nachdenklich gemacht.

Man interpretiert mit solchen Hintergedanken seine Umwelt auch anders - Blicke zu Beispiel. Japaner, besonders ältere, starren gerne Ausländer an. Oder sie gehen hin und labern dich einfach so an - wahrscheinlich um ihre dürftigen Englischkenntnisse am realen Objekt zu testen. Nicht selten ist dabei die erste Frage "Where are you from?". Nun ist es nicht so, als ob das ein in Japan normales Verhalten wäre, einfach fremde Leute anzusprechen. Aber einen Ausländer zu treffen ist eben eine Art Sondersituation. Gerade gestern sprach mich ein Japaner aus heiterem Himmel mit dem mir aus Australien wohlbekannten Gruß "How are you" an; und wenig später warf mir eine ganze Schulklasse nach ein wenig Zögern ein synchrones, strahlendes "hello!" entgegen, worauf ich nur lächelnd das Gleiche erwidern konnte und damit Kichern bei den Kindern auslöste. Ausländer sind hier eben nicht so häufig wie in Deutschland und daher kommt man sich leicht vor wie eine Kuriosität. Und das kann auf die Dauer eben auch ganz schön nerven, zumindest wenn dieses Verhalten von Erwachsenen ausgeht - auch wenn es niemand böse meint. Würde ich mich hier niederlassen und eine Familie gründen, würden wohl selbst meine Enkel noch angestarrt und auf Englisch angesprochen werden, eben weil sie weiß sind. Nicht dass ich so etwas in Erwägung ziehe - nur rein hypothetisch.

Dann war da das blöde Regenwetter die ganze Zeit. An dem einen Tag in Sendai wurden meine Socken komplett durchnässt. Ein Schirm schützt zwar den Kopf, aber ab dem Bauchnabel abwärts hat der auch keine Wirkung mehr. Das Wetter ist hier zur Zeit recht wechselhaft, aber so richtig strahlend heiße Sommertage habe ich seit ich aus Tokyo raus bin nicht mehr erlebt.

Meinen vorletzten Blogeintrag habe ich in einem großen Internetcafe im siebten Stockwerk eines großen Kaufhausgebäudes – ich fand sonst keine Gelegenheit Internetzugang zu bekommen - verfasst. Ich musste mich zunächst als Mitglied registrieren und eine Mitgliedskarte kaufen, was einige sprachliche Schwierigkeiten barg. Ihr glaubt ja gar nicht, wie viel man da erzählt bekommt... Die Chose war nicht ganz billig und ich wurde letztendlich um ca 7 € erleichtert, für nicht mal zwei Stunden. Das hat mich etwas geärgert. Das nächste Mal guck ich vorher genauer auf die Preise...

Dann habe ich mir eine Kleinigkeit zu essen gekauft in einem Laden, wo ich vorher schon mal drin war, aber zu dem Zeitpunkt war ich schon so geladen, dass mich der Verkäufer, der in jener Abendstunde auf der Straße lautstark für den Laden warb und mir dann Löcher in den Bauch fragte, ob ich denn dies oder das oder jenes und wie und wo und wann wollte, nur noch mehr genervt hat. Ja, ich war an dem Tag wirklich ziemlich schlecht drauf.

Aber das ist alles halb so wild, solange mein mp3-Player nicht aufgibt. Wenn ich unausgeglichen bin, höre ich meine Lieblingsmusik, swinge und singe nach Möglichkeit ein bisschen mit, vergesse mal alles um mich herum… und schon geht es mir wieder besser. Diese Entspannungsmethode hat mir in meinem Leben schon so manche peinliche Situation beschert! Aber sie funktioniert noch immer.

Von Sendai aus habe ich noch einen Tagesausflug nach Matsushima gemacht, ein Küstenort mit ein paar schönen Bauwerken vorwiegend aus dem 16./17. Jahrhundert und lauter kleinen Inselchen vor der Küste, die von buddhistischen Mönchen als Meditations- und Rückzugsorte genutzt wurden. Der berühmte Dichter Bashô hat über diesen Ort sogar gedichtet.









Nach meinem Ausflug nach Matsushima verließ ich am nächsten Tag Sendai, um (wie immer mit günstigen Bummelzügen) nach Hirosaki an der Nordspitze von Honshû zu fahren. Die Uni Trier hat dort eine Partneruni und es gibt ein schönes Schloss mit Park; so hatte ich also einen guten Grund dort Station zu machen. Eigentlich wollte ich mich nur einen Tag lang umschauen, dann weiter nach Hokkaido, die nördlichste der vier großen Inseln Japans, fahren und zwei Nationalparks sowie Sapporo besichtigen. Als ich jedoch im Internet die Bahnpreise bis Sapporo erforschte, nahm ich von diesem Vorhaben schnell wieder Abstand: Für das Geld könnte ich auch gleich von Osaka nach Sapporo fliegen. Ich hatte ohnehin nicht so unheimlich viel Zeit für diese Tour und Durchhetzen mag ich nicht, also konnte ich schon mal meine Rückfahrt nach Tokyo mit den Stationen Tôno-Tal, Hiraizumi und Sendai planen.

Nach einer kleinen Flaute in der Geldbörse, verzweifelten Versuchen an japanischen Automaten Bargeld zu bekommen, ein paar Belagerungen des Computers der Touristeninfo am Bahnhof und einem Anruf bei meiner Mutter war der erste volle Tag in Hirosaki dann auch schon wieder um. Das Geldproblem konnte ich aber glücklicherweise am nächsten Tag lösen und hatte dann auch Zeit das Schloss, den Schlosspark und viiiele Tempel anzuschauen:














Das sieht nun natürlich so aus, als würde Hirosaki nur aus Tempeln und Natur bestehen, aber das ist natürlich Schwachsinn. Die Tempel sind alle in einer Ecke von Hirosaki stark konzentriert, was ich etwas ulkig fand. Überhaupt: Was man über Medien, egal ob es nun Fernsehen, Bücher oder eben ein privater Weblog ist, erfährt, ist immer von einer Sichtweise eingefärbt. Und natürlich zeige ich hier nicht die ganzen anderen normalen "langweiligen" Gebäude, die in Hirosaki herumstehen. Nein, ich interessiere mich nunmal für die traditionelle Seite Japans, auch wenn das meinen Lesern manchmal den Eindruck gibt, dass diese Seite dominiert. Das ist nicht wahr.

Zu Beispiel kam ich abends an einem kleinen Spektakel vorbei: Es schien irgendeine Art Schönheitswettbewerb zu sein, aber wenn man nach der Anzahl der Kleidungsstücke einiger Damen geht, handelte es sich wohl eher um die Wahl zum Playmate der Woche oder so etwas ;D


Und hier noch ein Bild von dem Internet-, Manga-, Videospiel- und was-weiß-ich-noch-alles-Cafe in Hirosaki, wo ich des Nachts noch mein letztes Bargeld ließ:
So, ich habe Hunger und bin es leid vor dem Laptop zu hocken, daher beende ich hier mal meine Anekdoten. Schaut mal in den nächsten Tagen wieder rein; ich werde baldmöglichst noch mehr bringen!

Eure Johanna

P.S.:

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