Montag, 11. August 2008

Ich fühle mich groß, plump und fett...

...beim Anblick einiger spindeldürrer schmaler Japaner, aber ansonsten geht es mir sehr gut! :)

Heyho da draußen!

Endlich komme ich dazu wieder etwas zu schreiben!
Ich habe meinen Blog jetzt umbenannt in "Weltblume", denn wie ich erfahren habe, ist das eine noch bessere Interpretation meines Namens. (Wer Japanisch kann: 世花)

Wieder ist eine Woche vergangen, und das nicht ohne Ereignisse!
Ich beginne mal mit Bildern von meinem Hotelzimmer, die ja schon längst fällig waren!
Zunächst der Blick von der Zimmertür aus...

...und eins von der anderen Seite, vom Fenster aus:

Wie man sieht, habe ich hier alles: Kühlschrank, Fernseher, Futon und *trommelwirbel* ...Klimaanlage!
Über der Tür sieht man ein Ablagebrett; dort bewahre ich meine diversen hier angeschafften Koch- Ess- und Spülutensilien und den Reis auf. Die Tütenansammlung neben dem Kühlschrank ist auch schon ganz ansehnlich... ;) Den Rest meiner Sachen kann ich, wie man sieht, auch in einem kleinen Zimmer ganz gut verstreuen...
Ich kann mich überhaupt nicht beklagen. Das Hotel liegt in einem günstigen Viertel, daher bezahle ich nur ca. 19 € pro Nacht. Und das für ein Einzelzimmer, in Tôkyô!

Ich habe mich gerade entschlossen, euch hier neben den Erlebnissen meiner vergangenen Woche nebenbei auch die Benennung der japanischen Wochentage vorzustellen, die ich ziemlich schön finde.

"Mond"tag (getsu-yô-bi): Meiji-Jingû, Harajuku, Shibuya

Die Woche startete am Montag gleich voll durch. Nach dem alltäglichen Unterricht, über den hier zu berichten wohl relativ ermüdend wäre, sind wir, die Summer Session Teilnehmer, in drei oder vier Reisebussen zum MEIJI-SCHREIN gekarrt worden. Das ist ein großer Shintô-Schrein (inklusive relativ weitläufigem Park drumherum), der erst im letzten Jahrhundert errichtet wurde, und zwar zu Ehren des damaligen Kaisers Meiji. Diesen Namen trug auch jene für Japans Modernisierung sehr wichtige Epoche (1868-1912), in welcher sich das Land nach über 200 Jahren Abschottung wieder der globalen Herausforderung stellen musste. Weiter unten seht ihr ein Bild von einer Mini-Nachbildung einer Straße Tôkyôs aus dieser Zeit - ich finde, es sieht ein bisschen aus wie England.
Aber zurück zum Thema: Im Schrein wurde eigens für uns das Gebetsritual vorgeführt und es gab außerdem eine "gagaku"-Vorstellung. "Gagaku" ist die traditionelle Musik des japanischen Kaiserhofes und merklich sehr alt - sicherlich nicht der feinste Genuss für von westlicher Musik geprägte Ohren. Es war jedoch interessant das mal zu erleben, insbesondere den dazugehörigen Tanz der Schreinmmädchen. Leider durfte man innerhalb des Schreingebäudes keine Bilder machen, deshalb gibt es hier leider nur Außenansichten:




Der Meiji-Schrein liegt ganz in der Nähe der Shoppingviertel Harajuku und Shibuya, wo ich bei der Gelegenheit auch hin ging nach dem Schreinbesuch. In Harajuku finden Teenies mit ausgefalleneren Geschmäckern alles, was das Herz begehrt. Aber auch für "Menschen wie du und ich" ist Harajukus frisches Flair mindestens einen Besuch wert! Es gibt dort übrigens ganze Läden für ein einziges, aber nicht zu verachtendes Kleidungsstück: Socken.

Shibuya ist unfassbar... unübersichtlich. Das mag u.a. an den Menschenmassen liegen, die hier auflaufen. Ich war nicht in den Läden, sondern bin nur durch die Straßen gelaufen, denn ich brauchte auch gerade nichts...



Besonders ungewöhnliche Läden sind mir nicht aufgefallen, bis auf einen:

Hier werden nicht etwa (wie der Name veruten lassen würde) Kuscheltiere verkauft, sondern Hunde- und Katzenbabys! Und zwar ausschließlich Jungtiere. Die niedliche rosa Aufmachung lässt auch die verpeiltesten Menschen diesen Laden nicht übersehen.



"Feuer"tag (ka-yô-bi): Chadô/Teezereonie

Die japanische Teezeremonie ist eins von den Dingen, für die ich vermutlich zu ungeduldig bin - mir würde die innerliche Ruhe fehlen. "Chadô", "Sadô" oder auch "cha no yu" hat im Grunde nicht mehr viel mit dem Teetrinken an sich zu tun, sondern ist ein ritualisierter Ablauf, eng verbunden mit dem Zen-Buddhismus. Bevor ich hier unqualifizierter Weise versuche, die Komplexität dieses faszinierenden Brauchs zu erklären, zeige ich doch lieber nur ein Bildchen, das ich am Dienstag gamacht habe...



"Wasser"tag (sui-yô-bi): Ikebana/Blumenarrangement; Ikebukurô

Ebenfalls der Zen-Lehre entsprungen ist das Ikebana. Und, wie ich finde, nicht weniger kompliziert... Es gab am Mittwoch eine Vorführung dieser Art von Blumensteckkunst, die zwar schön anzusehen war, jedoch auch mal wieder etwas zu lange dauerte für Ungläubige wie mich. Der Meister fertigte einige kleinere Gestecke...




...mit diesen Resultaten...





...und dann wurde richtig was aufgefahren (dieses Arrangement hat schätzungsweise über eine Dreiviertelstunde gedauert - und das waren "Profis")!



Danach durften die Zuschauer sich selbst am Blumenarrangement versuchen - mit Anleitung natürlich. An meinem Tisch waren noch zwei andere Leute und gemeinsam fügten wir dieses Gesteck zusammen:


Nach diesem Event habe ich mich mit meinen drei Japanologenfreundinnen Stella, Tina und Katrin in einem weiteren beliebten Viertel von Tôkyô getroffen: Ikebukurô. Der Bahnhof ist so groß und hat so viele Ausgänge, dass wir fast eine halbe Stunde brauchten um uns gegenseitig zu finden! Zahlreiche Unterhaltungsmöglichkeiten lassen hier keine Langeweile aufkommen. Eine japanische Besonderheit, die der Eine oder Andere hier vielleicht noch nicht kennt, sind - ich nenne sie mal - Spaßfotoautomaten, auch bekannt als Purikura. In Ikebukurô hatte ich nun das erste Mal das Vergnügen, diese Dinger kennen zu lernen. Es geht so: Man schnappe sich einen oder mehrere Freunde, ziehe in einer dieser Fotokabinen ein paar Grimassen (oder man guckt einfach nur lieb, denn so machen es viele Japanerinnen), und kann direkt darauf in einer begrenzten Zeit die gemachten Bilder nachträglich mit allem möglichen Schnickschnack verschönern: Blümchen, Herzchen, Sternchen, Brillen, Hüte und alles Mögliche. Obwohl ich diesen Aspekt moderner japanischer Kultur eigentlich viel zu kitschig finde, hat es doch ungeheuer viel Spaß gemacht (und auf solchen Bildern hat man irgendwie immer schöne Haut)! Vielleicht schaffe ich es bei Gelegenheit, diese im Übrigen winzigkleinen Bildchen einzuscannen und hier zur Schau zu stellen...


"Holz"tag (moku-yô-bi): Rakugo

Ja ja, diese zweite Woche ließ einem keine Verschnaufpause! Am Donnerstag gab es nämlich schon wieder ein "afternoon event": Rakugo, eine besondere Theaterform, wo ein Schauspieler auf der Bühne sitzt und lustige Geschichten erzählt - mit ausdrucksvoller Mimik und Körpereinsatz. Man kann es mit Stand-Up Comedy vergleichen. Das Rakugo wurde extra für die Summer Session Teilnehmer veranstaltet, und zwar auf Englisch! Der Rakugoka erzählte zwei Geschichten: Eine von einem Mann, der einen Job als Löwe im Zoo bekam, und eine von der Odyssee in einer Rikscha. Vor Allem der schauspielerische Aspekt hat sehr zur Komik des Ganzen beigetragen. Hier ein Bild des Rakugoka:


"Gold"tag (kin-yô-bi): Kyôgen

Noch eine japanische Theaterform erlebte ich am Donnerstag. Kyôgen sind, einfach gesagt, kurze Komödien, die als Intermezzo in einem sehr ernsten Nô-Stück gedacht sind und daher nur ca. 10 Minuten dauern. Der Name Kyôgen bedeutet so viel wie "verrückte Worte" und die Sprache, insbesondere die Intonation, die dort eingesetzt wird, klingt in der Tat ziemlich komisch und erfordert viel Stimmtraining. Das Stück, das ich am Freitag sah, sollte ein typisches Kyôgen sein; es behandelte die Beziehung zwischen einem Meister und seinem Diener, welcher einen Krampf vortäuschte, um sich vor der Arbeit zu drücken. Es gab definitiv wieder viel zu lachen :D Und auch hier zeige ich mal ein paar Fotos:
Der Diener...

...und der Meister.
Auuuaaa, Meister, ich kann leiiider nicht einkaufen gehen, denn ich habe einen chromischen Krampf im Bein... ;)
Der Meister ist auch ein gerissener Bursche, denn er erfindet eine Feier, auf der beide eingeladen sind. Natürlich kann der Knecht nicht widerstehen. Er sagt seinem Krampf tüchtig die Meinung und steht dann, mit der Unterstützung seines Herrn, wieder auf.


"Erd"tag (do-yô-bi): Edo-Tôkyô-Museum

Am Samstag war ich mit Stella, meinem Hotelfreund Tatsuya und einem Freund von ihm im "Edo-Tôkyô-Museum", einem sehr imposanten Komplex mit allerlei Überbleibseln und Nachbildungen Tôkyôs seit dem 17. Jahrhundert, wo das damals "Edo" genannte Tôkyô die neue Hauptstadt wurde...







"Sonnen"tag (nichi-yô-bi): Akihabara; Ueno Park; Asakusa

Am Sonntag war ich mit Tatsuya mal wieder in der etwas näheren Umgebung meines Hotels unterwegs. Ich brauche ein japanisches Handy und einen Vertrag, weshalb wir ins schon früher erwähnte Akihabara fuhren, aber die Auswahl an Anbietern und Modellen ist so groß, dass ich mich noch nicht entschieden habe...

Puh, das war ein verdammt langer Eintrag, deshalb höre ich an dieser Stelle mal auf. Die Summer Session ist jetzt in ihrer letzten Woche und am kommenden Montag will ich weiterziehen; das bedarf jedoch noch ausgiebigerer Planung.

Bis zum nächsten Mal!
Eure Johanna

2 Kommentare:

Larissa hat gesagt…

Dass mit dem sich großfühlen kann ich Dir gerade nachfühlen, oder besser gesagt empfinde ich das Gegenteil: Jetzt wo ich aus Italien zurück bin fühle ich mich viel kleiner,weilder Durchschnittsdeutsche offenbar größer ist als der Durchschnittsitaliener.

Aber glaub mir: du bist genau richtig so wie Du bist!!!

Green-Cat hat gesagt…

Liebe Johanna, toller Blog, da brauche ich wohl niemals ein Buch über japanische Kultur zu lesen! Ich finde es ganz toll, dass du über so viele verschiedene Dinge schreibst! Und Hut ab, dass du es in einem so winzigen Hotelzimmer aushältst... :D