Sonntag, 3. August 2008

Kein Titel kann diese Woche zusammenfassen... :)

Konnichiwa allerseits,
eigentlich wollte ich diesen Eintrag mit "Es gibt nicht viel Neues zu berichten" beginnen... Bis ich feststellte, dass ich doch so einiges durchaus Erzählenswertes erlebt habe diese Woche.

Zunächst hat am Montag das Programm der "Summer Session of Asian Studies" der Sophia Universität mit einem Infotag inklusive Stadtrundfahrt begonnen...


...und am Dienstag ging dann der "Ernst des Lebens" los. Jeder Teilnehmer belegt zwei Kurse, die täglich (außer sonntags) stattfinden: Einen Japanisch-Sprachkurs (Level 1 oder 2) und eine frei wählbare kultur- oder landeskundliche Veranstaltung, beispielsweise zu Literatur, Kunst, Wirtschaft oder Religion - auf Letztere fiel meine Wahl. Die Kurse finden auf Englisch statt und dauern jeweils zwei Zeitstunden, nach dem ersten hat man 10 Minuten um zum anderen Raum zu gehen. Wie sich herausstellte, muss man für meinen Religionskurs wohl wesentlich mehr lesen als für die anderen Kurse, aber er ist definitiv interessant und lehrreich.

Als Japanologiestudentin steht man hier ziemlich allein da. Die anderen Teilnehmer sind fast ausschließlich amerikanische Studentinnen und Studenten der verschiedensten Fachbereiche, die einfach Interesse an diesem Land haben, aber wenig japanologische Vorbildung mitbringen. Aber auch wenn ich Einiges von dem, was wir hier beigebracht bekommen, schon weiß, gibt es dennoch auch Vieles, was ich noch lernen kann. Auch der Level 2 Sprachkurs, der in mancherlei Hinsicht unter meinem jetzigen Niveau angesetzt ist, ist hilfreich, da er sehr auf praktische Anwendung ausgerichtet ist. Die Lektionen behandeln beispielsweise einen Besuch beim Arzt oder eine Shoppingtour im Kaufhaus. Mit den anderen Studenten komme ich bisher gut aus und ich hatte schon die eine oder andere nette Unterhaltung.

Nachmittags gibt es dann oft "special events", die sozusagen wahlobligatorisch sind. Diese Woche waren das die schon erwähnte "Tour of Tôkyô" (Montag), ein Nô-Theaterstück (Dienstag), eine Wadaiko-Session (Mittwoch) und eine Vorlesung namens "The case of the distressed jeans" von Donald Richie (Freitag). Diese Veranstaltungen sind alle kostenlos für Summer Session Teilnehmer und so ergriff ich die Gelegenheit und nahm überall teil. Mein persönlicher Höhepunkt war mit Abstand das Nô-Stück! Leider durfte man während der Aufführung keine Fotos machen, aber die wären ohnehin nicht sehr aussagekräftig gewesen. Immerhin habe ich ein Bild von der Bühne vor der Aufführung machen können:

Die faszinierenden Einzelheiten des Nô-Theaters hier zu schildern würde den Rahmen sprengen, aber was ich an dieser Stelle sagen kann, ist: Wer je die Gelegenheit hat sich so ein Stück anzusehen, sollte sie nutzen! Es ist wirklich ein ganz besonderes Erlebnis für die Sinne.

Wadaiko (wa=japanisch, dai=dick, ko=Trommel) war ein weiterer Höhepunkt. Es gab Trommelvorführungen (s. Fotos) und danach durften auch wir, die Gäste, selbst Hand anlegen und haben eine Choreographie einstudiert. Da konnte man sich mit einem guten Rhythmus so richtig auspowern!





Hinterher gab es noch die Gelegenheit zu gemeinsamen Grimassen-Fotos - nur ich war mal wieder diejenige, die normal geguckt hat... typisch.

Tja, und was sonst? Nun, ich fahre viel U-Bahn, die morgens genau so voll ist, wie man sich das für Tôkyô vorstellt. Die Bahnhöfe haben übrigens relativ schöne und saubere Toiletten. Hier in Japan gibt es eine Besonderheit: In den meisten Fällen kann man zwischen "westlichen" und "japanischen" Toiletten wählen. Wie Letztere aussehen? So:

Um gleich irritierten Fragen vorzubeugen: Ja, dies ist die Damentoilette. Frau verrichtet hier ihr Geschäft in der Hocke. Doch ehrlich gesagt, habe ich bisher immer die westliche Variante bevorzugt. Es gibt eben doch Dinge, die für Europäer hier gewöhnungsbedürftig sind.

Gestern Abend fand mal wieder ein mächtiges Feuerwerk statt, wofür die halbe Bevölkerung von Tôkyô, wie es schien, sich in Schale warf und hinaus nach Ichikawa fuhr, um sich am Flussufer niederzulassen, jede Menge Snacks und Alkohol zu konsumieren und das Spektakel zu bewundern. So machten wir es also auch - ein paar deutsche und japanische Freunde und ich - und es war wirklich ein schöner Abend. Hierzu muss gesagt werden, dass es hier bereits um 19 Uhr dunkel ist...






So, ich muss jetzt wirklich ein bisschen was tun und ein Lesepensum aufholen, denn ich bin um einige Seiten im Rückstand!

Habt eine angenehme Woche - ich melde mich dann wohl nächsten Sonntag wieder!
Eure Johanna

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