Donnerstag, 8. Januar 2009

Der Kyûshû-Trip

Willkommen im Jahr 2009!

Zeit für einen neuen Blogeintrag, zumal mich das wunderbar von meiner Hausarbeit ablenkt, die ich bis Mittwoch zu schreiben habe... Es ist nur eine kurze.

Ja, ich bin wieder zurück in Kyôto, nachdem ich über Silvester zusammen mit Kazuki eine kleine Reise unternommen habe. Das heißt, so klein nun auch wieder nicht: Acht Tage waren wir unterwegs mit einem Zugticket, dessen Prinzip dem des Schönes-Wochenende-Tickets gleicht, bloß dass es nicht einen Tag, sondern fünf (frei wählbare) Tage lang gilt und nur in den Ferienzeiten erhältlich und gültig ist. Jedoch kann man mit diesem sehr günstigen Ticket nur die langsameren Züge (hier ganz einfach "futsuu"=normal genannt) benutzen, genau wie in Deutschland mit dem SW-Ticket die S-Bahnen, RB, RE - daher der Vergleich. Damit sich das auch so richtig lohnt, waren wir also immer mindestens sechs Stunden am Fahren und unsere Rückreise nach Ôsaka hat sogar über 12 Stunden gedauert mit vielem Umsteigen.

Die erste Station hieß Hiroshima. Wir waren beide noch nie dort gewesen, es lag auf dem Weg nach Kyûshû und ich wollte es sowieso besichtigen, also bot es sich gut an. Wir hatten ein günstiges Doppelzimmer für drei Nächte gebucht und verbrachten einen Tag mit Sightseeing in Hiroshima und machten einen Tagesausflug mit Straßenbahn und Fähre nach Miyajima, berühmt für den auf unzähligen Japan-Reiseführern abgebildeten Itsukushima-Schrein. Wir fuhren auch mit Bus und Seilbahn auf einen Berg und verliefen uns auf dem Weg nach unten mächtig, aber mein Kameraakku hat diesen Teil der Reise leider nicht mehr miterlebt. Wir hatten ziemliches Glück nach der Dämmerung einen Menschen von der Bergwacht mit Auto anzutreffen, der uns freundlicher Weise zurück zur Küste mitnahm... Sonst hätten wir eventuell die Nacht im Freien verbringen dürfen.

Aber bei den ganzen Geschichten wollen wir auch Fotos nicht vernachlässigen: Zunächst Hiroshimas A-Bomb-Dome und andere Denkmäler aus dem Memorial Park, inklusive der Flamme, die erst dann erlöschen soll, wenn alle Atombomben der Welt zerstört sind, und einem Bild eines Origami-Kranichs, der widerum selbst aus Origami-Kranichen besteht, welche für Hoffnung und Glaube an Genesung stehen...





Jedoch hat Hiroshima natürlich noch mehr zu bieten als Erinnerungen an die Atombombe: Zum Beispiel ein Schloss - wenn auch recht klein... Hier das Eingangstor zum Schlosspark

und das Schlösschen selbst


mit Teich, in dem sich die Fische freiwillig und fotogener Weise in einem kleinen schattigen Plätzchen tummeln!
In einem Park haben wir mit Freude Tauben beobachtet, die sich vor einem hübschen moosbewachsenen Baum von einem kleinen Dreikäsehoch durch die Gegend jagen ließen. Könnt ihr die Reihe Spatzen auf dem langen Ast erkennen?

Shopping kam auch mal wieder nicht zu kurz - hier ein Abschnitt von Hiroshimas Arcaden:



Und dann natürlich, soweit der Akku reichte, Fotos von Miyajima:

die kurze Überfahrt mit der Fähre



das berühmte Schreintor im Wasser (am Abend war Ebbe und man konnte auf dem Sand zum "torii" hinlaufen!), die zum Schreinkomplex gehörende Nô-Bühne und ein Reh, das die Qual der Wahl an einer der Fressbuden hat...



Dieser Tag war, wenn ich so zurückblicke, schon der Höhepunkt der Reise - wir hatten gutes Wetter, Kämpfe mit Rehen um unser Mittagessen (kommt das bekannt vor...?), unsere Bergodyssee und sehr leckere lokale Spezialitäten.

Am Tag danach, nämlich an Silvester, fuhren wir weiter nach Beppu auf Kyûshû - in ganz Japan bekannt für seine heißen Quellen (jap. onsen). Es gibt dort zwei Arten von Onsen: solche zum Anschauen, in den kuriosesten Farben und Settings, und solche zum drin baden, nach Geschlechtern getrennt oder gemischt, bestehend aus Wasser, Sand oder Schlamm, draußen oder drinnen, privat oder öffentlich. Onsen gibt es überall in Japan, aber die in Beppu scheinen etwas ganz Besonderes zu sein.
Wir kamen also am frühen Silvesterabend an, hatten ein kleines Ärgernis mit dem Hotel, weil uns zunächst ein falsches Zimmer gegeben wurde und wir uns beide dachten, dass man sich dafür bei uns eigentlich entschuldigen könnte, was aber nicht passierte... (sehr untypisch für Japan!!) und waren dann in einem nahegelegenen öffentlichen Onsen - für mich das erste Mal und natürlich hatte ich das obligatorische Stück Seife nicht dabei, konnte aber das einer älteren Frau teilen. Man kann in dem sehr heißen Wasser nicht lange bleiben (und kann Kreislaufprobleme bekommen, wenn man es versucht), also ging dieser Badbesuch recht fix. Den Abend verbrachten wir dann ganz entspannt vor dem Fernseher mit einer mäßig unterhaltsamen Silvester-Live-Musiksendung; laut meinem Freund verbringen Japaner so den Silvesterabend und ich habe es ihm einfach mal geglaubt. Feuerwerke gab es nicht - das ist hier in Japan eher ein Sommerabend-Phänomen. Am nächsten Tag ging es mit dem Bus aufwärts zu den "Höllen" (jap. jigoku - die heißen Quellen zum anschauen), unter denen wir auf meinen Wunsch hin diejenigen bewusst ausließen, von denen es im Reiseführer hieß, dass unter "höllischen" Bedingungen gehaltene exotische Tiere zu den dortigen Attraktionen gehören sollen.

Hier die Bilder...

"Kinryû-Jigoku" (Gold-Drache-Hölle)

"Umi-Jigoku" (Meer-Hölle) mit Eierkocher


ein Park mit alten Weihnachtsbaumattrappen, die ganz unfeierlich immer noch dort herumstanden...


Die neujahrsabendliche, so gut wie leergefegte Hauptstraße der Innenstadt Beppus

In diesem Teil der Reise merkte ich, dass es zeitweise nicht einfach ist zu zweit zu reisen - v.a. wenn beide Partner das absolut nicht gewohnt sind. Ich wusste schon vorher, dass ich ein Mensch bin, der regelmäßig die Einsamkeit braucht um nicht durchzudrehen, aber dass mein Freund noch launischer sein kann, hatte ich nicht geahnt. Nun, wir haben uns irgendwie arrangiert und der nächste Tag sah schon wieder viel besser aus.

Wir fuhren nach Fukuoka (von Ortsansässigen eher Hakata genannt - einst eine Stadt des gemeinen Volkes, die mit Fukuoka, der Residenz des Feudalherren, verschmolzen wurde), brauchten einige Zeit um das Hotel zu finden, und schauten uns noch am selben Abend einen bekannten Entertainment- und Shopping-Komplex, "Canal City", an, natürlich nicht ohne selbst die Angebote der Neujahrsausverkäufe zu nutzen. (Es war übrigens immer Kazuki, der Shopping vorschlug! Das ist hier wohl nicht nur typisch Frau.) Dort gab es auch Kinos und wir beschlossen spontan den Horrorfilm "Mirrors" - nicht ohne Zögern meinerseits - zu sehen. Das war wohl der erste Kinobesuch, bei dem ich bei bestimmten Szenen wegschauen musste... Aber glücklicher Weise kann ich auch heute noch in den Spiegel schauen ohne Horrorvisionen zu bekommen!

Am nächsten Tag schliefen wir aus und fuhren dann zu einem Schrein, der an dem Tag ein interessantes Festival (jap. matsuri) zu bieten hatte: Ein Haufen (zu 9/10 unbekleideter) Männer jagt einen Holzball und jeder versucht ihn so lange wie möglich in den Händen zu halten. Dieser Haufen bewegt sich in Richtung Schrein und wird alle fünf Sekunden von mindestens einer Eimerladung Wasser getroffen. Selbst innerhalb Japans ist das eines der kurioseren Matsuri. Der Hintergrund ist: In Wirklichkeit gehören die Männer einer von zwei Gruppen an - den Fischern oder den Bauern. Je nachdem welche Gruppe den Ball gewinnt, ist im folgenden Jahr entweder die Feldernte oder der Fischfang erfolgreicher. Außerdem bringt es Glück den Ball zu berühren. Aber genug der Vorreden - ich weiß, alle sind gespannt auf die Bilder... :D In einem habe ich sogar das fliegende Wasser eingefangen =)



Das hat viel Spaß gemacht! Ansonsten haben wir an dem Tag noch zu Fuß einen Teil des Stadtzentrums erkundet. Fukuoka ist eine moderne, lebendige Großstadt; wir waren teilweise (mal wieder) etwas orientierungslos und wollten schon die Gegenrichtung einschlagen, als ich eine Passantin nach der Richtung des Bahnhofs fragte und sich herausstellte, dass wir doch auf dem richtigen Weg gewesen waren. Im Hotel angekommen legten wir einen gemütlichen Videoabend ein.

Am letzten Tag bevor es zurück nach Osaka gehen sollte nahmen wir einen Bus zum Fukuoka Tower in der Peripherie, in dessen Restaurant wir eine Kleinigkeit aßen und dabei die Aussicht genossen:


Folgendes Anwesen gefiel uns beiden und wir fragten uns, was das sein könnte. Ich bemerkte, dass ein Teil davon an eine Kirche erinnert und tatsächlich ist dieses Anwesen, wie wir später von der Fahrstuhlbegleiterin erfuhren, speziell für Hochzeiten ausgerichtet. Wir änderten unseren Plan und sahen es uns dann doch nicht näher an...

die Fußgängerzone "Hawk's Town" nahe Fukuoka Tower


mein erstes Hard Rock Cafe (von nun an bin ich auch vom Wahn infiziert!)



Dieser letzte Tag war nochmal ein sehr schöner, der auch wieder nicht ohne Shopping auskam, aber diesmal habe auch ich ein bisschen zugelangt: Zwei Hard Rock Cafe T-Shirts und ein Langpullover. Am nächsten Tag machten wir uns am frühen Morgen (sieh an, das geht also doch!) auf und traten die lange Rückreise nach Osaka bzw Kyoto an.

Nun ist es also 2009 - es war ein ziemlich fließender Übergang für mich. Nun sollte ich mich an meine Hausarbeit setzen, damit sie rechtzeitig fertig wird - Ende nächster Woche möchte ich mir ein paar Attraktionen Kyôtos ansehen, wozu ich seit ich hier bin kaum gekommen bin... Bericht folgt!

Eure Johanna

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