Sonntag, 27. Juli 2008

Ikura desu ka?

...bedeutet soviel wie "Was kostet (das)?" oder wahlweise auch "Ist (das) Kaviar?" ;)

Diese Frage habe ich in letzter Zeit einige Male gestellt. Ich sitze in meiner kleinen Hotellobby, es ist bereits Sonntagnachmittag, ich habe heute mal richtig schön lange ausgeschlafen und werde mal nicht so viel rumlaufen wie die letzten zwei Tage, sondern mich ein bisschen um die Daheimgebliebenen kümern - denn ich habe ja fest versprochen mich zu melden!


Ankunft


Vorgesten, am Freitagmorgen, kam ich also am Flughafen Narita bei Tokyo an. Der Flug war in Ordnung, außer dass ich in Paris ganz schön gerannt bin um meinen Anschlussflug zu erwischen; Passkontrolle und Zoll waren in Tokyo kein Problem. Ich fuhr dann mit der günstigsten Bahn nach Tokyo hinein und habe mein Tokyo Hotel (hoho, wie witzig...) ohne Umwege gefunden - was allerdings auch ein bisschen an den
hilfsbereiten Leuten hier liegt. Ich fühle mich bisher sehr wohl! In dem ziemlich günstigen Hotel (man muss halt nur wissen wo in Tokyo man sowas findet...) wohnen überwiegend Ausländer (und größtenteils männliche, wie mir auffällt); ich habe ein
sehr kleines traditionell japanisches Zimmer mit Tatami-Matten und Futon (und Fernseher :D) und Internet gibt`s umsonst, nur leider ist das W-Lan im Zimmer sehr langsam, weshalb ich jetzt mit meinem neuen alten Notebook in der Lobby sitze. Ich mag dieses freundliche Hotel sehr, auch wenn sie die Duschen mal öfters saubermachen könnten...


Dann hatte ich noch eine kleine Odyssee wegen der "Alien Registration Card", die ich beantragen muss, denn die Stelle war etwas schwer zu finden und als ich dann endlich dort war, erfuhr ich, dass ich woanders hin muss. Ich werde das nächste Woche weiter verfolgen.

Ziemlich heiß ist es: Tagsüber haben wir zur Zeit um die 30 Grad und ich habe mir gestern schon einen kleinen Sonnenbrand zugezogen, denn ich bin sehr viel gelaufen um Transportkosten zu sparen. Aber wenn man mal genug draußen geschwitzt hat, kann man ja in ein Geschäft reingehen - die sind nämlich alle ziemlich stark klimatisiert, so dass die Hitze einem richtig entgegenschlägt, wenn man wieder herauskommt. Ich habe schon so einige Besorgungen gemacht, meine Füße tun mir schon weh… Und ich versuche auch mehr und mehr mich auf Japanisch zu verständigen, wenn ich etwas im Laden suche etc. Heute habe ich z.B. endlich einen Steckdosenadapter gefunden, den ich für meinen Laptop, von dem ich euch gerade schreibe, benutzen wollte.


Einkaufen in Tokyo


Meine Einkäufe haben jedoch teilweise viel Zeit gekostet. Ich war z.B. in einer Straße, in der ein Haushaltswarenladen neben dem anderen steht, die ganze Straße runter. Aber erst im fünften oder sechsten habe ich endlich einen Löffel gefunden. Die Suche nach dem Steckdosenadapter war noch komplizierter. Ihr müsst wissen: Wann immer man in Tokyo Elektronikartikel sucht, die nicht in einem einfachen Kameraladen
zu finden sind, wird man auf einen einzigen Ort verwiesen: Akihabara. Oder genauer gesagt, Akihabara Electric Town, ein Viertel mit riesigen Elektronikkaufhäusern. Beeindruckend ist es auch schon von außen, wie man auf dem Bild sehen kann. In Akihabara bekam ich auch einen Reiskocher, und zwar keinen normalen für die
Steckdose, sondern einen für die Mikrowelle, da dieser günstiger, kleiner und leichter war und ich eine Mikrowelle hier in der Hotellobby gesehen hatte. Mittlerweile habe ich mir darin auch schon 2x Reis gekocht. Ich will ja nicht von ungesundem (und auf die Dauer bestimmt teurerem) Fast Food leben!


Meine Umgebung

Wie schon gesagt legte ich meine Wege gestern alle zu Fuß zurück - außer den Rückweg zum Hotel abends, denn ich hatte Hunger und die Füße wollten nicht mehr - und zu meiner Begeisterung fiel mir auf, dass in der sonst relativ "öden" Gegend um mein Hotel eine ganz besondere historische Entdeckung zu machen war: Das frühere Vergnügungsviertel Yoshiwara. Vom 17. bis ins 20. Jahrhundert hinein gab es hier Unterhaltung von A-Z, am bekanntesten ist es wohl für seine Geishas. Heute ist hier allerdings praktisch nichts mehr davon zu spüren - es wirkt ziemlich ausgestorben. Der Yoshiwara-Schrein war der erste Shinto-Schrein, den ich je besucht habe. Hier gibt es, genau wie in der Kirche, Regeln, an die man sich halten sollte. Zunächst führt man eine Reinigung durch, vorgesehenen Becken beide Hände mit Wasser übergießt und auch den Mund ausspült. Dann geht man zum Opferkasten und wirft etwas Geld hinein, läutet die Glocke um den Gott des jeweiligen Schreines anzurufen und betet. Ist man fertig, klatscht man zweimal in die Hände. Ich habe dieses Ritual gestern an zwei verschiedenen Schreinen durchgeführt und es war eine sehr inspirierende und interessanteb Erfahrung! In das Schreingebäude hineingehen konnte man allerdings nicht.

So, das wär's erstmal für heute. Bis zum nächten Mal!
Johanna

Das Abenteuer beginnt...

...oder vielmehr, es hat bereits begonnen, und zwar nicht erst, als ich in die Air France Maschine von Paris nach Tokyo stieg, in der ich gerade sitze, sondern schon viel früher. Ich habe mich beim Akademischen Auslandsamt der Universität Trier im Dezember für das Austauschprogramm mit der Osaka Gakuin Universität beworben und, frei nach dem Motto „wenn schon denn schon“ auch gleich für die „Summer Session of Asian Studies“ an der Sophia Universität in Tokyo.

Alle Bewerber wurden zu den Auswahlgesprächen eingeladen, und somit fand ich mich bald in einem Konferenzraum wieder, wo an einem langen Tischhalbkreis vor mir ca. acht Persönlichkeiten saßen und mich neugierig anschauten. Darunter waren Professorinnen und Professoren verschiedener Fachbereiche, allen voran Frau Gössmann von der Japanologie und Herr Müller von der Anglistik, denn das sind meine beiden Hauptfächer. Angst hatte ich nicht direkt, aber nervös war ich sehr wohl. Das Gespräch lief vorwiegend auf Deutsch, jedoch gab es auch einen kurzen japanischen und einen etwas längeren englischen Teil. Was mich überraschte, war die Tatsache, dass es bei den Gesprächen kaum um Fachliches ging, sondern vielmehr um meine Person und meine extracurricularen Aktivitäten, von denen ich ja auch schließlich einige zu bieten habe: Singen im Gospelchor, Schauspielern in der English Drama Group, Reiten im Reitverein. Außerdem bin ich Mitglied im Tierschutzverein Trier und gehe dort auch gerne mit den Heimhunden spazieren. Bei dem vielen Engagement kann man angesichts nur durchschnittlicher Studienleistungen auch mal ein Auge zudrücken. ;) Und wenn jemand auch schon mal längere Zeit allein im Ausland war, so wie ich, ist das auch kein Nachteil. Jedenfalls kam ich zu der Erkenntnis, dass so ein Interview auch Spaß machen kann, was natürlich auch an der freundlichen Behandlung und der entspannten Atmosphäre lag!

Ein paar Tage später hatte ich dann die Zusage im Briefkasten: Ich kann nach Japan! Das war einerseits eine große Freude und ein triftiger Grund zum Feiern, aber andererseits wusste ich auch ungefähr, was bis zur Abreise noch alles auf mich zukommen würde, denn ich begann zu dem Zeitpunkt gerade erst das vierte Semester Japanologie. Bis zu Abschluss des Grundstudiums in beiden Hauptfächern gab es noch jede Menge zu tun, abgesehen von den ganzen Vorbereitungen, die für das Auslandsstudium zu treffen waren.

Ich möchte euch jedoch nicht weiter mit de Vorgeplänkel langweilen, denn das ist ja jetzt alles geschafft. Vor ein paar Wochen sagte ich mir noch: Wenn du erstmal im Flieger nach Japan sitzt, na dann hallelujah! Dann hast du den ganzen Stress erstmal hinter dir. Wer jetzt allerdings glaubt, ich sitze hier und jubele innerlich nur, der irrt. Ich bin momentan sehr ruhig und ohne große positive oder negative Gefühle - ich bin jedoch sicher, dass sich dies bald ändern wird. Ich habe überhaupt erst letzte Woche realisiert, wie bald ich doch Deutschland für ein Jahr verlassen werde. Wie so oft bei mir, erledigte ich die essentiellen Dinge mal wieder auf den letzten Drücker. Vorgestern bin ich in Trier ausgezogen und gestern habe ich mein Studentenvisum für Japan bekommen. Zu meiner großen Freude verabschiedete mich nicht nur mein Vater, der bei Frankfurt wohnt, am Frankfurter Flughafen, sondern auch meine zwei großen Brüder.


Ich flog also um 10:40 mit einer kleinen „Fokker 100“-Maschine der Air France Régionale zum Charles de Gaulle Flughafen in Paris, um dort in die Boeing 777 nach Tokyo Narita umzusteigen (nicht dass mich die Namen der Flugzeugtypen interessieren würden – aber es lesen ja auch ein paar Technikbegeisterte it ;)). Ich hätte in Paris laut Plan 75 Minuten gehabt um umzusteigen. Das Bus-Shuttle jedoch, das die Passagiere zu Flughafengebäude brachte, fuhr unheimlich lange kreuz und quer und mit Unterbrechungen über das Flughafengelände und als ich dann endlich im Gebäude ankam, war das Boarding für die Maschine nach Tokyo bereits voll im Gange. Dann bin ich, wie mir schien, durch den ganzen Flughafen gerannt um zu richtigen Gate zu kommen. Letztendlich wäre das wohl nicht nötig gewesen, denn aufgrund von Polizeieinsätzen (wie ich später im Flugzeug erfuhr) gab es Verzögerungen, so dass wir erst eine Dreiviertelstunde später starteten. Jedenfalls musste ich dann da noch in einer langen Schlange zur „Richtigen“ Passkontrolle anstehen und musste bei der Handgepäckkontrolle leider leider mein Döschen Melkfett lassen, weil es mit 150g zu groß war! Ich fliege übrigens gerade über Sibirien/Russland.

Das Videoprogramm ist hier leider nicht so atemberaubend, wie ich es von der Korean Air auf meiner Australienreise kannte, und der Typ neben mir mit seinen haarigen Armen macht sich ganz schön breit… Ich will meinen Notebookakku schonen, deshalb werde ich später weiter berichten.

Bis dann!
Eure Johanna


P.S.: Dieser Eintrag entstand im Flugzeug am 24.7. zwischen 18:00 und 18:30 (deutsche Zeit)!

Irasshaimase!

Halli Hallo und herzlich willkommen auf Johannas Japan-Blog!

Ja, ich habe es tatsächlich geschafft und nehme am Austauschprogramm meiner Universität, der Uni Trier, mit der Osaka Gakuin Universität in Osaka teil! Zu diesem Zeitpunkt bin ich bereits in Japan und hier bleibe ich ein ganzes Jahr!

Dieser Blog soll meine Verwandten und Freunde auf dem Laufenden halten, wann immer sie wissen möchten, was ich so treibe. Gerne nehme ich Kommentare/Rückmeldungen entgegen...

Bevor es aber losgeht, möchte ich kurz den Blogtitel erklären: "Ich, die Blume" ist ein eigener Versuch, meinen Namen japanisch zu interpretieren: yo-hana kann Vieles bedeuten, aber nichts davon ist ein reales japanisches Wort... "Hana" kann beispielsweise neben "Blume, Blüte" auch "Nase" heißen. Und bezüglich "yo" wählte ich die Bedeutung, in der Romanautoren zeitweise von sich selbst in der dritten Person sprechen, man könnte aber auch z.B. "gut", "Nacht" oder "vier" daraus machen.

Der Titel dieses Eintrags, "irasshaimase", ist das Wort, das einem im Laden immer entgegengerufen wird, wenn man eintritt. Es bedeutet wörtlich soviel wie "Kommen Sie!" und sinngemäß etwas wie "Herzlich Willkommen!"

Also viel Spaß beim Lesen und gucken!

Eure Johanna