Sonntag, 27. Juli 2008

Das Abenteuer beginnt...

...oder vielmehr, es hat bereits begonnen, und zwar nicht erst, als ich in die Air France Maschine von Paris nach Tokyo stieg, in der ich gerade sitze, sondern schon viel früher. Ich habe mich beim Akademischen Auslandsamt der Universität Trier im Dezember für das Austauschprogramm mit der Osaka Gakuin Universität beworben und, frei nach dem Motto „wenn schon denn schon“ auch gleich für die „Summer Session of Asian Studies“ an der Sophia Universität in Tokyo.

Alle Bewerber wurden zu den Auswahlgesprächen eingeladen, und somit fand ich mich bald in einem Konferenzraum wieder, wo an einem langen Tischhalbkreis vor mir ca. acht Persönlichkeiten saßen und mich neugierig anschauten. Darunter waren Professorinnen und Professoren verschiedener Fachbereiche, allen voran Frau Gössmann von der Japanologie und Herr Müller von der Anglistik, denn das sind meine beiden Hauptfächer. Angst hatte ich nicht direkt, aber nervös war ich sehr wohl. Das Gespräch lief vorwiegend auf Deutsch, jedoch gab es auch einen kurzen japanischen und einen etwas längeren englischen Teil. Was mich überraschte, war die Tatsache, dass es bei den Gesprächen kaum um Fachliches ging, sondern vielmehr um meine Person und meine extracurricularen Aktivitäten, von denen ich ja auch schließlich einige zu bieten habe: Singen im Gospelchor, Schauspielern in der English Drama Group, Reiten im Reitverein. Außerdem bin ich Mitglied im Tierschutzverein Trier und gehe dort auch gerne mit den Heimhunden spazieren. Bei dem vielen Engagement kann man angesichts nur durchschnittlicher Studienleistungen auch mal ein Auge zudrücken. ;) Und wenn jemand auch schon mal längere Zeit allein im Ausland war, so wie ich, ist das auch kein Nachteil. Jedenfalls kam ich zu der Erkenntnis, dass so ein Interview auch Spaß machen kann, was natürlich auch an der freundlichen Behandlung und der entspannten Atmosphäre lag!

Ein paar Tage später hatte ich dann die Zusage im Briefkasten: Ich kann nach Japan! Das war einerseits eine große Freude und ein triftiger Grund zum Feiern, aber andererseits wusste ich auch ungefähr, was bis zur Abreise noch alles auf mich zukommen würde, denn ich begann zu dem Zeitpunkt gerade erst das vierte Semester Japanologie. Bis zu Abschluss des Grundstudiums in beiden Hauptfächern gab es noch jede Menge zu tun, abgesehen von den ganzen Vorbereitungen, die für das Auslandsstudium zu treffen waren.

Ich möchte euch jedoch nicht weiter mit de Vorgeplänkel langweilen, denn das ist ja jetzt alles geschafft. Vor ein paar Wochen sagte ich mir noch: Wenn du erstmal im Flieger nach Japan sitzt, na dann hallelujah! Dann hast du den ganzen Stress erstmal hinter dir. Wer jetzt allerdings glaubt, ich sitze hier und jubele innerlich nur, der irrt. Ich bin momentan sehr ruhig und ohne große positive oder negative Gefühle - ich bin jedoch sicher, dass sich dies bald ändern wird. Ich habe überhaupt erst letzte Woche realisiert, wie bald ich doch Deutschland für ein Jahr verlassen werde. Wie so oft bei mir, erledigte ich die essentiellen Dinge mal wieder auf den letzten Drücker. Vorgestern bin ich in Trier ausgezogen und gestern habe ich mein Studentenvisum für Japan bekommen. Zu meiner großen Freude verabschiedete mich nicht nur mein Vater, der bei Frankfurt wohnt, am Frankfurter Flughafen, sondern auch meine zwei großen Brüder.


Ich flog also um 10:40 mit einer kleinen „Fokker 100“-Maschine der Air France Régionale zum Charles de Gaulle Flughafen in Paris, um dort in die Boeing 777 nach Tokyo Narita umzusteigen (nicht dass mich die Namen der Flugzeugtypen interessieren würden – aber es lesen ja auch ein paar Technikbegeisterte it ;)). Ich hätte in Paris laut Plan 75 Minuten gehabt um umzusteigen. Das Bus-Shuttle jedoch, das die Passagiere zu Flughafengebäude brachte, fuhr unheimlich lange kreuz und quer und mit Unterbrechungen über das Flughafengelände und als ich dann endlich im Gebäude ankam, war das Boarding für die Maschine nach Tokyo bereits voll im Gange. Dann bin ich, wie mir schien, durch den ganzen Flughafen gerannt um zu richtigen Gate zu kommen. Letztendlich wäre das wohl nicht nötig gewesen, denn aufgrund von Polizeieinsätzen (wie ich später im Flugzeug erfuhr) gab es Verzögerungen, so dass wir erst eine Dreiviertelstunde später starteten. Jedenfalls musste ich dann da noch in einer langen Schlange zur „Richtigen“ Passkontrolle anstehen und musste bei der Handgepäckkontrolle leider leider mein Döschen Melkfett lassen, weil es mit 150g zu groß war! Ich fliege übrigens gerade über Sibirien/Russland.

Das Videoprogramm ist hier leider nicht so atemberaubend, wie ich es von der Korean Air auf meiner Australienreise kannte, und der Typ neben mir mit seinen haarigen Armen macht sich ganz schön breit… Ich will meinen Notebookakku schonen, deshalb werde ich später weiter berichten.

Bis dann!
Eure Johanna


P.S.: Dieser Eintrag entstand im Flugzeug am 24.7. zwischen 18:00 und 18:30 (deutsche Zeit)!

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