Sonntag, 21. September 2008

Meine Nara-Zeit

Halli-hallo allerseits!

Wer ab und zu mitliest, weiß, dass ich, wenn ich denn mal was schreibe, es dann auch nicht untertreibe - mal abgesehen von meinem letzten Eintrag. Folglich dauert es dann auch entsprechend länger, bis ich mich dazu überwinden kann mich hinzusetzen und stundenlang Texte zu schreiben und Fotos hochzuladen... Ich schreibe gerne Blogeinträge, aber ich habe eben auch nicht immer die Zeit oder die Geduld. Naja, das nur als Erklärung, warum ich in letzter Zeit nicht so viel von mir habe hören lassen! Ich will mich nicht lange mit Vorreden aufhalten, schließlich gibt es viel zu erzählen...

Irgendwie doch schweren Herzens verabschiedete ich mich vor knapp 2 Wochen also von Tôkyô und fuhr nach Nara - von dieser Reise habe ich ja bereits erzählt... Es gibt zwei Dinge, die man unbedingt über Nara wissen sollte: Nara war (im 8. Jahrhundert n. Chr. in der sog. Nara-Zeit) die erste richtige Hauptstadt des Kaiserreichs - UND - es gibt dort seeeeeeeehr viele Rehe. Diese Stadt ist ein einziger Streichelzoo (zumindest im riesigen "Nara-Park"), nur dass es keine Zäune gibt. Die Rehe gelten als Botschafter der Shintô-Götter und sind daher heilige Wesen. Nach der anfänglichen Faszination dafür, wie gut Mensch und Reh in Nara nebeneinander leben können und wie anmutig die Tiere sich bewegen, holte mich die Realität ein: Dummerweise hatte ich unterwegs Bananen gekauft (ausnahmsweise ein Obst, das tatsächlich bezahlbar ist in Japan ;)) und sah mich schließlich mit einem Reh darum ringen; denn wenn die was zu Essen wittern, ist niemand mehr sicher...
Okay, ich übertreibe etwas. Es läuft alles noch in relativ zivilisierten Bahnen.
Hier ein paar Bilder der Rehe von Nara, die doch vielleicht schon etwas zu sehr an den Menschen gewöhnt sind...





In Nara gibt es so einige schöne Sehenswürdigkeiten. Ein Highlight ist die riesige Buddhastatue des Tôdaiji-Tempels...




...ein anderes der Kasuga-Schrein...




...und vieles mehr!





An einem Tag machte ich einen Ausflug nach Asuka; das ist ein kleiner Ort mitten in einer Gegend voller weit verstreuter Sehenswürdigkeiten wie Tempel, Hügelgräber und seltsam geformte Felsen. Ich lieh mir ein Fahrrad und radelte los - bei ca. 30° Hitze und prallender Sonne (natürlich hatte ich mich nicht eingecremt und kriegte einen netten kleinen Sonnenbrand...). Angeblich ist der "Asukadera" der allererste buddhistische Tempel Japans aus dem 6. Jahrhundert:




Hier eine alte Grabkammer aus massivem Felsen ("Ishibutai-Kofun):



Auch sonst war die Gegend wirklich sehr reizvoll und dank des zwar heißen aber auch wolkenlosen Wetters war es ein sehr entspannender, schöner und abwechslungsreicher Ausflug! (Vielleicht auch deshalb, weil mir das Radfahren ein bisschen fehlt...)






Zu der Zeit, wo ich in Nara war, gab es dort zufälligerweise ein Festival (jap. matsuri) namens Uneme-Matsuri. Es ist wohl einer Hofdame der Nara-Zeit (8. Jh.) gewidmet, die unglücklich verliebt gewesen sein soll. An dem Tag gab es zunächst ab 17 Uhr einen Umzug, eine Art Parade, mit vielen Leuten in traditionellen Gewändern (insbesondere die Kinder waren entzückend!) und einer "Schönheitskönigin" in einem geschmückten Karren, und gegen 19 Uhr gab es schön dekorierte Boote zu sehen, die auf einem Teich umherfuhren. Auf den entsprechenden zwei Bildern sieht man im Hintergrund sogar die Pagode des Kôfukuji...











Auf dem Weg zurück zum Hostel fand ich den Beweis dafür, dass selbst Japaner durchaus manchmal Regeln brechen...

("Fahrradparkverbot")

Nach vier Tagen in Nara (die Leute staunen immer, was ich so lange an ein und demselben Ort treibe - aber ich lasse mir nunmal gerne Zeit...) bin ich am 16.9. mit dem Zug nach Kyôto gefahren. Ein Katzensprung - es dauerte nicht mal eine Stunde! Es war mit dem Internationalen Zentrum der Osaka Gakuin Universität, wo ich studieren werde, verabredet, dass mich jemand am Kyôto Bahnhof abholt und mir den Weg zum Haus meiner Gastfamilie zeigt. Ich dachte erst, man hätte mich vergessen, als ich am Bahnhof von niemandem empfangen wurde, aber ein paar Minuten später wurde ich überrascht: Es war Hiromi, der Germanistik studiert und in Trier sein Auslandssemester gemacht hat. Anscheinend hat man ihn gefragt, ob er mich kennt und abholen würde. Ich hatte gedacht, dass ein Mensch von der Uni, so mit Anzug und Krawatte, mich abholen kommt, aber ein bekanntes Gesicht wäre das Letzte gewesen, was ich erwartet hätte! Wir fuhren noch ein paar Stationen Zug und wurden am Bahnhofsausgang dann von meiner Gastmutter in Empfang genommen: Eine jung aussehende hübsche kleine Frau, die, wie sich herausstellte, recht viel redet - bloß am Anfang gar nicht mit mir, sondern nur mit meinem Begleiter. Nun gut, dachte ich, ich werde ja wohl noch genug Zeit mit ihr verbringen, und trottete hinter den beiden her zu meinem neuen Zuhause.

Jetzt bin ich also hier. Aber es ist schon spät, deshalb:

Fortsetzung folgt...!

Dienstag, 16. September 2008

Heute treffe ich meine Gastfamilie!

Bin schon ziemlich gespannt und hoffe, das alles glatt geht...

Donnerstag, 11. September 2008

Die Leiden des jungen Blümleins *g*

Und da bin ich schon wieder! Heute gibt es leider keine Bilder... (Beschwerden bitte nur schriftlich einreichen.)


Odyssee

Ich bin gestern in Nara angekommen. Musste auf dem Weg von Tôkyô bis hierher ungefähr 10x umsteigen, hatte oft gerade mal fünf Minuten Umsteigezeit, und die ganze Sache hat über 10 Stunden gedauert. Der Trick beim Umsteigen ist, wenn es keine digitalen Anzeigen am Bahnsteig gibt und keine Zeit zum Orientieren bleibt, einfach den anderen Menschen hinterherzulaufen – besonders denen, die eilig gehen. Damit ist man meistens auf der sicheren Seite... Tja, leider war der Weg vom Bahnhof zum Hostel nicht ganz so leicht. Ich scheine auf der falschen Seite des Bahnhofs heraus gekommen zu sein und es herrschte Totenstille. Es war dunkel. Ich lief natürlich erstmal völlig in die falsche Richtung auf der Suche nach der Touristeninfo, die laut meinem Reiseführer noch ca. 13 Minuten geöffnet sein sollte. Mein mittlerweile etwa 25kg schwerer Rucksack drückte auf meine Hueftknochen und Schultern, mir war heiß. Irgendwann gab ich es auf und fragte einen Polizisten, der den (spärlichen) Verkehr zu regeln schien, wo denn der und der Bahnhof sei. Er überlegte erstmal kurz und fragte dann einen vorbeikommenden Radfahrer... Ist das nicht seltsam? Jedenfalls tüftelten sie das irgendwie gemeinsam aus und schickten mich dann auch in die Richtung eines Bahnhofs. Dort bestätigte sich dann erst, was ich vorhin erwähnte: Dass ich von vornherein falsch gelaufen bin. An dem Bahnhof fragte ich einen Taxifahrer, ob er das und das Hostel kenne. Wieder konnte er das Rätsel aber nicht alleine lösen und frage sofort einen anderen Taxifahrer, ob er es kennt. Es kommt mir vor, als könnten die Leute hier nichts alleine zustande bringen. Ich erfuhr letztendlich den Preis für die Taxifahrt bis zum Hostel – ca.1500 Yen - und entschied mich dagegen. Ich fuhr also noch eine Station Zug, suchte die richtige Bushaltestelle (wobei ich auf das Wort von Busfahrern und anderen Leuten angewiesen war) und erwischte dann tatsächlich auch den richtigen Bus. Ich wusste, wie die Station hieß, wo ich aussteigen muss, also setzte ich mich hin und achtete auf die Stationenanzeige. Nun wollte und wollte meine Station aber nicht auftauchen. Als der Bus schon irgendwo in der Pampa war, brachte ich dann doch mal die Energie auf, nach vorne zu gehen und den Busfahrer zu fragen, ob die Station noch kommt. Er hat mir freundlicher Weise nichts für die Fahrt berechnet und sagte mir, ich solle an der Endhaltestelle ca. 25 Minuten da und da warten, was ich tat. Ich aß dann den Rest meiner Vorräte auf und wartete, bis der Bus zurückkam – selbe Linie, selber Busfahrer. An der richtigen Haltestelle rief er mich, dass ich hier aussteigen muss, und erklärte mir den Weg zum Hostel. Endlich mal jemand, der weiß wo der Hammer hängt. Und ich muss diesem Mann wirklich danken, denn ohne ihn waere ich wohl heute noch auf der Suche... Ich schleppte mich schweißgebadet durch die dunklen Straßen und eine kurze Steigung hinauf und kam am Hostel an. Check-In-Zeit war schon längst vorbei, aber da ich vorher 2x angerufen hatte und gesagt hatte, dass es spät wird, war der Rezeptionist freundlicherweise noch da geblieben. Ich checkte also ein und kam in ein 8-Bett-Zimmer, wo schon drei andere junge Frauen waren. Die musterten mich nur kurz, als ich reinkam – kein Gespräch und nichts. Aber mir war sowieso nicht nach Plaudern. Ich war fix und alle.


Duschentzug

So, jetzt komme ich endlich zu einer Sache, die ich hier ziemlich komisch finde und die mir auf den Senkel geht: In japanischen Hostels ist die Benutzung der Duschen immer auf bestimmte Zeiträume beschränkt. In diesem Hostel z.B. darf man ausschließlich morgens von 6 bis 9 und abends von 18 bis 21 Uhr duschen. Im Hostel in Hirosaki durfte man morgens sogar nur von 6 bis 8 Uhr duschen, aber abends durfte man dafür länger und es ist sowieso eher üblich abends zu duschen. Im Klartext: Ich kam gestern Abend gegen 22 Uhr völlig verschwitzt und erledigt hier an und durfte nicht duschen. Zu allem Überfluss habe ich dann heute früh auch noch die Duschzeit verschlafen. Teilweise kann ich diese Regelung vielleicht erklären: Im Badezimmer sind nicht nur Duschen, sondern auch ein Bad (manchmal für eine, manchmal für mehrere Personen), das zu den Benutzungszeiten mit heißem Wasser gefüllt wird und wo dann alle Gäste drin baden dürfen. Ok, dass das nicht rund um die Uhr zur Verfügung stehen kann, ist klar. Aber warum zum Teufel darf ich nicht duschen, wann ich will? Das ging mir heute Vormittag gehörig auf den Keks. Mittlerweile bin ich aber wieder frisch und stecke in sauberen Klamotten. Wie schön das doch sein kann...

Sprache

In diesem Hostel scheinen sich außerdem alle deutschen Touristen Naras zu versammeln. Ich habe zwei Mädels in meinem Zimmer deutsch sprechen hören und heute früh kam ein Typ rein, der sich offenbar in der Tür geirrt hatte und sich auch gleich mit einem „Entschuldigung“ wieder verabschiedete. Na gut, ich will mal nicht so sein. Ist ja auch eigentlich mal ganz schön zur Abwechslung etwas Deutsch zu hören. Tatsuya, der Freund aus meinem Hotel in Tôkyô, hat sich übrigens zu meinem Leidwesen immer über die deutsche Sprache lustig gemacht und hat manchmal die in seinen Ohren besonders hart klingenden deutschen Konsonanten nachgeäfft. Ich bin nicht besonders nationalistisch oder so - in Deutschland kannst du das ja auch nicht mehr so ohne weiteres sein ohne gleich als Nazi beschimpft zu werden - aber irgendwo sollte man sich ein bisschen nationale Restidentität und Stolz bewahren dürfen, finde ich. Vielleicht ist Deutsch nicht gerade die am romantischsten klingende Sprache auf der Welt... aber schlecht ist sie deshalb nicht. Wie dem auch sei, ich vermeide es trotzdem mit den anderen Deutschen zu reden, aber ich kann nicht genau erklaeren, warum. In Wirklichkeit können die Mädels in meinem Zimmer eigentlich gar nicht wissen, woher ich stamme, denn bis auf „Hi“ habe ich noch nichts gesagt. Sie scheinen es mir trotzdem irgendwie an der Nasenspitze anzusehen, denn sie sagen immer „Hallo“ zu mir.


Vorhin habe ich im Park mit einem Reh um den Inhalt meiner Tasche gekaempft - es war cartoonreif und ich habe eine Banane im Kampf an das Reh verloren. Aber Bilder von dieser grossartigen Stadt und auch von den Rehen gibt es das naechste Mal! Bis dann...

Eure Johanna

Sonntag, 7. September 2008

Vom Dorf bis in die Metropole

Hallo zusammen!

Ich schreibe euch mal wieder aus Tôkyô, wo ich die letzte Station mache, bevor es morgen in die Region Japans geht, die als "Kansai" bekannt ist und wo ich meine zwei Auslandssemester absolvieren werde. Eine Woche war ich nun hier in Tôkyô um noch ein bisschen Zeit mit meinen während der Summer Session gewonnenen Freunden zu verbringen. Heute habe ich Yukiko, eine Germanistikstudentin, mit der ich mich in Trier während ihres Auslandssemesters angefreundet habe, in Yokohama getroffen.

Ja, bald geht das Semester richtig los; der Termin meiner Ankunft in Kyôto (wo meine Gastfamilie wohnt) steht fest und ich werde sogar am Bahnhof Kyôto von einem Menschen vom Unipersonal abgeholt, damit ich mich auf dem Weg zu meinem neuen temporären Zuhause nicht verlaufe... ;D Ich bin schon sehr gespannt auf meine Gastfamilie. Mit der Gastmutter habe ich seit kurzer Zeit E-Mail-Kontakt. Sie heißt Yûko Teramura und hat einen 10-jährigen zweisprachigen Sohn (Japanisch+Englisch). Ihr Mann arbeitet im internationalen Zentrum einer etwas weiter entfernten Universität; sie selbst ist ein "Master of Economics" und arbeitet zur Zeit, wie ich mit Staunen erfahren durfte, auf die Qualifikation "Steuerberaterin" hin. Ich bin beeindruckt, dass sie die Zeit findet...

Bei der Familie wohnen noch zwei andere Gäste: eine Austauschstudentin aus Taiwan und ab Oktober bis Weihnachten ein "Beamter des französischen Verteidigungsministeriums" - was auch immer das heißen mag. Für mich vielleicht, dass ich Gelegenheit haben werde mein zentimeterdick eingestaubtes Französisch auszugraben. Die Gastmutter hat mir schon gleich in ihrer ersten Mail geschrieben, dass die taiwanesische Studentin ihr die ganze Zeit schon gehörig auf die Nerven geht... Sie sei unordentlich, hielte sich nicht an Vereinbarungen und versuche ständig penetrant die Familie von ihrer veganen Lebensweise zu überzeugen. Es klang schon nachvollziehbar, was Frau Teramura schrieb, aber ich habe eine leise Vorahnung, dass sie relativ streng ist und ich hoffe, das wird nicht zum Problem für mich.

Aber was hilft es, sich vorher schon verrückt zu machen - ich werde sie ja in einer Woche persönlich kennenlernen. Gehen wir lieber weiter in der Rekapitulation meiner bisherigen Reise:

Von Hirosaki aus bin ich also, nachdem ich meinen Hokkaidô-Trip erstmal verschoben hatte, wieder gen Süden gefahren. Meine nächste Station hieß Tôno, ein kleiner Ort in einem malerischen Tal, der v.a. für seine Sagen bekannt ist. Dennoch kann man offenbar nicht von allen Japanern erwarten, von diesem Ort schon mal gehört zu haben - so bekannt ist er dann doch wieder nicht. Er ist ja auch wirklich klein. Es gibt zwar Busse dort (immerhin), aber da der letzte bereits gegen 17 Uhr fährt - um diese Zeit schließen die Museen und so-, musste ich vom Bahnhof aus mit dem Taxi zum Hostel fahren, das außerhalb der Ortschaft liegt. An der Jugendherberge angekommen, wurde ich von diesen kleinen Kerlchen begrüßt, die an den Außenwänden des Hostels neben dem Eingang saßen:

Als ich zusammen mit dem freundlichen Taxifahrer mein Gepäck in den inneren Eingangsbereich schaffte, hüpften ein paar Fröschlein durch die Tür hinein und das Hostelbesitzerpärchen und ich verbrachten erstmal die nächsten fünf Minuten lachend damit die kleinen Tierchen mit der Hand zu fangen und wieder hinaus zu befördern.
Später am Abend gab es noch Kaffee/Tee und Kuchen bei einem netten Plausch mit fast allen im Hostel Anwesenden (wir passten um einen kleinen Tisch...) und anschließend erzählte der Hostelbesitzer was über die Gegend und über die Sehenswürdigkeiten dort. Ich war die einzige Nicht-Japanerin und daher natürlich irgendwo ein Exot. (Am Tag darauf war ich dann auch noch der einzige weibliche Gast, ohje... ;)) Die Atmosphäre war gut, es war gemütlich und friedlich. Nur in manchen Momenten fühlte ich mich ein bisschen eingeengt, wenn ich mal wieder das Zentrum aller Aufmerksamkeit war - wie schon gesagt, ich war der Exot.

Am nächsten Morgen lieh ich mir eins der Fahrräder vom Hostel und fuhr erstmal zurück in den Ort, um... ins Internet zu gehen. Scheibenkleister, ich bin so abhängig von diesem Mist. Aber ich konnte mich tatsächlich noch am selben Tag wieder davon lösen und habe dann doch noch Einiges gesehen und bin viel geradelt.



Dem Schrein auf den folgenden zwei Bildern wird nachgesagt, dass er Frauen eine gesunde Geburt verspricht, wenn sie mit der linken Hand eins dieser roten Bänder an die Bäume am Schrein binden. Eine andere Version ist, dass man damit bald den Partner für's Leben findet.

Gleich daneben befand sich eine Treppe zu einem weiteren Schrein:

Auch in der Gegend, einen Fußmarsch entfernt, befanden sich unzählige (ein Wirklichkeit angeblich 500 - habe nicht nachgezählt) in Fels gemeißelte Gesichter von Mönchen, die während einer Hungersnot im Jahr 1754 verstarben.
Aber obwohl dies mitten im Wald liegt, heißt das nicht, dass japanische Bustouristen auf Pauschalreise es nicht finden würden...

Zum Glück waren die nach zwei Minuten wieder weg und zum nächsten Fotostopp, so dass ich ganz in Ruhe die Szenerie bewundern konnte: Allein der Weg zu besagten Felsen konnte sich sehen lassen...


...und die Hauptattraktion natürlich umso mehr:



Die Zweige können laufen! (Aber für's Foto im Makromodus hielt dieser hier schön still.)

Weiter ging's. Ein ganz schönes Stück bin ich geradelt und etwas zu Fuß umhergeirrt um schließlich diesen Dolmen "Tsuzuki-Ishi" auf einem bewaldeten Hügel zu finden:




Die Luft war sehr feucht und der Schweiß lief und lief. Glücklicher Weise ging der Rückweg vom Tsuzuki-Ishi bergab... Ich radelte wieder in den Ort hinein und sah mir noch das städtische Museum und "mukashi-banashi-mura", ein traditionelles "Dorf vergangener Geschichten" an.

Am nächsten Vormittag wurde ich zu meiner positiven Verwunderung von anderen Hostelgästen spontan auf einen Ausflug zu einer Höhle mit Wasserfall eingeladen. Ich bin also mit drei Männern und einer Frau zu einer Autovermietung gefahren worden, dort haben wir uns einen Wagen gemietet und sind im Regen zu besagter Höhle gefahren. Es war abenteuerlich: Sie war etwa einen Kilometer lang und an vielen Stellen - besonders am Eingang - sehr niedrig, so dass man den Entenmarsch üben konnte... Und wenn man doch mal aufrecht stehen konnte, dann war es doch sehr eng. Weil man sich so sehr in Acht nehmen musste nicht überall anzustoßen, bekamen wir am Eingang nette gelbe Sturzhelme und auch gleich noch Regenjacken gegen die vielen Tropfen von der Decke und die tosende Kraft des Wasserfalls am Ende des Weges. Achja, und Gummistiefel, denn man musste hier und da durch knöcheltiefes kaltes Wasser waten.







Es hat definitiv Spaß gemacht und war, wie gesagt, recht abenteuerlich, aber ich bezahlte für das viele krumme Gehen und die Kopfverdrehungen mit einer heftigen Genickstarre, die sich auf dem Rückweg vom Wasserfall zum Höhlenausgang bemerkbar machte noch den ganzen darauf folgenden Tag anhielt... Es war wirklich schmerzhaft; ich konnte kaum den Kopf drehen, bloß nach unten Schauen ging noch gut. Obendrein hatte ich mir in einem unachtsamen Moment den Rücken in der Höhle gestoßen, so dass auch der wehtat. Der Helm stellte sich als absolute Notwendigkeit heraus - ich will gar nicht wissen, wie oft ich mit dem Kopf an den Fels gestoßen bin. Mein Nacken wurde draußen und nachher im Hostel nochmal mit einem kühlenden Minzgeleepflaster versorgt, ich war aber nach diesem Trip erstmal im Bett. Da der Hals dort genau so schmerzte, entschied ich mich, die Zeit besser zu nutzen und sah mir zu Fuß die etwas näher am Hostel gelegenen Attraktionen an.


Eine der sagenhaften Kreaturen aus Tônos Legenden: ein "Kappa"




Ich als Pferdenärrin kam natürlich nicht umhin mir den örtlichen großen Reitstall anzusehen... Auch wenn ich dafür ein ganz schönes Stückchen laufen musste :D










Sehr schicke sportlich aussehende Vollblüter gab es dort, ich habe aber sonst nur Stallburschen und einen Hufschmied gesehen. Aber mit dieser Dosis Pferdeluft war ich dann auch zufrieden und brach am nächsten Morgen Richtung Sendai mit dem Zwischenstopp Hiraizumi auf. Hiraizumi ist im Gegensatz zu Tôno jedem hier bekannt, denn es war im 11. Jahrhundert das "politische und kulturelle Zentrum" des Fujiwara-Clans, der zu der Zeit sehr mächtig war und immer mächtiger wurde. Dieses Zentrum bestand leider gerade mal für ein Jahrhundert und der Großteil der einstigen prächtigen Gedbäude ist niedergebrannt worden.










Ich bin am selben Tag noch gemütlich nach Sendai gekommen und nahm mir dort den ganzen nächsten Tag Zeit um das sehr schicke Mausoleum des Stadtgründers Masamune Date zu sehen. Bilder davon gibt es das nächste Mal!

Nach Sendai gibt es nicht mehr so viel Spektakuläres zu berichten. Nach Tôkyô zurück zu kommen fühlte sich fast wie eine Heimkehr an und ich habe hier ein bisschen Ruhe in gewohnter Umgebung gehabt, habe aber auch was unternommen. Zum Beispiel habe ich die original japanischen Beatles in Roppongi spielen hören und war für teures Geld in einem Kino in Shibuya, in dem Essen und Trinken verboten war... *stirnrunzel*

Ich habe keine Ahnung, wie es in Nara - da fahre ich morgen hin - mit dem Internet steht und weiß auch nicht, ob meine Gastmutter mich ans Internet lassen wird, aber ich werde mich irgendwie schon wieder melden, keine Sorge!

Macht's gut und bis bald wieder! Haltet die Ohren steif...
eure Johanna


P.S.: Eigentlich ist dieser Eintrag vom 9.9., aber da ich ihn schon zwei Tage früher begonnen hatte, steht jetzt das frühere Datum drüber. Ich bitte um Vergebung...